Caturra und Catuaí: Zwergsorten des Arabica-Kaffees im Überblick

Kurzantwort: Caturra ist eine natürliche Zwergmutation der Sorte Bourbon, zwischen 1915 und 1918 im brasilianischen Minas Gerais entdeckt. Catuaí entstand 1949 am Instituto Agronômico als Kreuzung aus Mundo Novo und Caturra und kam 1972 in Brasilien auf den Markt. Beide Sorten bilden niedrige Sträucher, die sich dicht pflanzen lassen und früh tragen, aber sehr anfällig für Kaffeerost sind. In der Tasse liefern sie in der Höhe einen sauberen, süßen Kaffee mit lebendiger Säure, solide statt spektakulär.

Das Wesentliche im Überblick
  • Caturra: Ein-Gen-Zwergmutation von Bourbon, zwischen 1915 und 1918 entdeckt, ab 1937 züchterisch ausgelesen
  • Catuaí: Mundo Novo x Caturra, 1949 gekreuzt (Auslese H-2077), 1972 in Brasilien freigegeben, mit roten oder gelben Früchten
  • Kompakter Wuchs: 5.000 bis 6.000 Pflanzen je Hektar bei Einstammerziehung, erste Ernte etwa im dritten Jahr
  • Sehr hohe Rostanfälligkeit; Caturra ist Elternteil von Catimor und der kolumbianischen Variedad Colombia (1983)
  • Tasse: gute Qualität in der Höhe, Caturra mit zitrischerer Säure und leichterem Körper als Bourbon
  • Verbreitet in Mittelamerika, Kolumbien und Brasilien

Was sind Caturra und Catuaí?

Es sind zwei Arabica-Sorten aus derselben Linie, beide niedrig gewachsen. Caturra entstand als spontane Mutation in einem Bourbon-Bestand: Ein einzelnes Gen verkürzt die Internodien und lässt den Strauch gedrungen wachsen. Der Name stammt aus dem Guarani und bedeutet „klein“. In Brasilien heißt die Sorte auch Nanico.

Catuaí ist dagegen gezielt gezüchtet. Eltern sind das wüchsige Mundo Novo, eine natürliche Kreuzung aus Bourbon und Typica, und das kompakte Caturra. Auch dieser Name ist Guarani und heißt „sehr gut“. Es gibt eine rotfrüchtige und eine gelbfrüchtige Form, sichtbar unterscheidet sie nur die Farbe der reifen Kirsche.

Woher stammen sie, und wie breiteten sie sich aus?

Der Sortenkatalog von World Coffee Research datiert die Entdeckung von Caturra auf die Jahre 1915 bis 1918 in Minas Gerais. Das Instituto Agronômico in Campinas begann 1937 mit der Auslese. In Brasilien selbst setzte sich die Sorte kaum durch, sie passte dort schlecht zu den Bedingungen. Ihren Durchbruch erlebte sie in Mittelamerika: In den 1940er Jahren kam sie nach Guatemala, ab den 1970er Jahren wurde sie breit gepflanzt, danach folgten Costa Rica, Honduras und Panama.

Mundo Novo wurde 1943 in Mineiros do Tietê im Bundesstaat São Paulo gefunden, bis 1952 ausgelesen und anschließend an Pflanzer verteilt. Die Kreuzung mit Caturra stammt von 1949 und trug die Kennung H-2077. Nach Honduras gelangte Catuaí 1979, nach Costa Rica 1985, wo er den Wandel zu intensivem Anbau in voller Sonne begleitete.

Kolumbien ging einen eigenen Weg. Dort kreuzte man Caturra mit dem Híbrido de Timor 1343 und brachte 1983 die rostresistente Variedad Colombia heraus (Cenicafé). Vor der Neubepflanzung nach 2008 stellte Caturra dort rund die Hälfte der Ernte, laut Sweet Maria's.

Was ein niedriger Baum für den Betrieb bedeutet

Ein hoher Bourbon breitet sich aus und braucht Platz. Caturra und Catuaí pflückt man ohne Leiter, erzieht sie an einem Stamm und setzt sie mit 5.000 bis 6.000 Pflanzen je Hektar. Daraus folgen mehr tragendes Holz je Fläche, schnellere Ernte und einfachere Pflege. Die erste Ernte steht etwa im dritten Jahr an.

Die Kehrseite ist der Nährstoffbedarf: Der WCR-Katalog führt ihn als hoch. Düngung, geregelter Schatten und regelmäßiger Schnitt gehören dazu. Ein stark behangener Baum laugt sich aus und altert ohne Versorgung rasch. Catuaí hat im Vergleich zu Bourbon ein sehr hohes Ertragspotenzial, Caturra liegt im Mittelfeld und gleicht das über die Pflanzenzahl aus.

Beide wachsen am besten in der Höhe, wobei das Optimum vom Breitengrad abhängt. Zahlen aus einem Land lassen sich deshalb nicht einfach übertragen.

Wie schmecken sie in der Tasse?

Caturra schmeckt wie ein leichterer Bourbon: zitrischere Säure, schlankerer Körper (Profil von Sweet Maria's). In der Höhe gilt die Qualität als gut. Typisch sind Zitrus, brauner Zucker und Steinobst, selten die Blütigkeit der Spitzensorten.

Auch Catuaí wird in der Höhe als gut eingestuft. Die Tasse ist sauber, süß und ausgewogen, eher etwas für Mischungen und Alltagslose als für Auktionsstars. Ein ehrlicher Vorbehalt gehört dazu: Auf diesem Niveau wiegen Höhenlage, Reife bei der Ernte und Aufbereitung schwerer als die Genetik. Ein gewaschener Catuaí aus großer Höhe und ein unreif gepflückter aus der heißen Tiefebene schmecken wie zwei verschiedene Kaffees.

Ertrag gegen Qualität

Hohe Dichte und schwerer Behang zahlen sich für den Pflanzer aus, nicht immer für den Trinker. Ein überladener Baum verteilt seinen Zucker auf viele Kirschen, und die Tasse kann flacher ausfallen als bei einem leichter tragenden Baum. Mittelamerikanische Betriebe setzten lange auf Menge, daher der Ruf als Arbeitstiere.

Dieses Urteil ist zu streng. Gut ernährt, reif gepflückt und sorgfältig aufbereitet, liefern dieselben Bäume sehr ordentliche Lose. Für Käufer ist „Caturra“ oder „Catuaí“ auf dem Etikett weder Makel noch Versprechen. Zuerst zählen Höhe und Produzent, dann die Sorte.

Kaffeerost: die Schwachstelle

Beide Sorten sind sehr anfällig für Hemileia vastatrix, den Pilz hinter dem Kaffeerost. Caturra ist zudem anfällig für die Kaffeekirschenkrankheit und für Nematoden, und Catuaí hat nur geringe Nematodenresistenz.

Der Rost erreichte Brasilien 1970 und hatte 1975 alle wichtigen Anbaugebiete erfasst. Eine Epidemie im Jahr 2012 verringerte die Ernte Mittelamerikas um 16 Prozent, und die USAID beziffert den Schaden von 2012 bis 2014 auf rund eine Milliarde US-Dollar (Wikipedia, „Coffee leaf rust“). Dicht gepflanzte Caturra- und Catuaí-Anlagen ohne Schatten boten ein ideales Ziel.

Die Antwort ist genetisch und anbautechnisch. Caturra ist der Arabica-Elternteil der Catimor-Hybriden und der Variedad Colombia, die ihre Resistenz vom Híbrido de Timor beziehen. Auf dem Betrieb helfen Schatten, Nährstoffversorgung und Fungizide. Eine gut geführte Parzelle bleibt produktiv, das Risiko verschwindet aber nie.

Wo man sie findet und wie man ein Etikett liest

Rotes und gelbes Caturra stehen weiterhin in Guatemala, Costa Rica, Honduras, Panama und Kolumbien, oft in gemischten Beständen. Catuaí ist auf costa-ricanischen und honduranischen Farmen weit verbreitet und wird auch in Brasilien angebaut, wo er entstand. Die Länderprofile finden Sie in unseren Ratgebern zu Kaffee aus Kolumbien, Kaffee aus Costa Rica und Kaffee aus Brasilien.

Auf der Packung zählen Sorte, Aufbereitung und Höhenlage. Steht nur „Caturra“ oder „Catuaí“ darauf, ist ein sauberer, klassischer Kaffee zu erwarten. Zur Einordnung im Stammbaum: Bourbon, Typica, Catimor, Pacamara sowie SL28 und SL34.

Häufige Fragen

Ist Caturra eine Bourbon-Sorte?

Ja, Caturra ist eine natürliche Zwergmutation von Bourbon, zwischen 1915 und 1918 in Minas Gerais (Brasilien) entdeckt.

Ist Catuaí dasselbe wie Caturra?

Nein. Catuaí ist eine Kreuzung aus Mundo Novo und Caturra von 1949, 1972 in Brasilien freigegeben, mit roten und gelben Formen.

Sind Caturra und Catuaí rostresistent?

Nein, beide sind sehr anfällig. Caturra ist aber Elternteil resistenter Hybriden wie Catimor und der Variedad Colombia (1983).

Ergeben diese Sorten guten Kaffee?

In der Höhe ja: eine saubere, süße Tasse mit lebendiger Säure. Höhenlage, Reife und Aufbereitung wiegen schwerer als der Sortenname.

Weiterlesen: Bourbon · Alle Kaufratgeber · Spezialitätenkaffee FAQ · Kaffee-Glossar

Quellen

  1. World Coffee Research, Arabica Variety Catalog: Caturra. https://varieties.worldcoffeeresearch.org/varieties/caturra
  2. World Coffee Research, Arabica Variety Catalog: Catuai. https://varieties.worldcoffeeresearch.org/varieties/catuai
  3. World Coffee Research, Arabica Variety Catalog: Mundo Novo. https://varieties.worldcoffeeresearch.org/varieties/mundo-novo
  4. Cenicafé, Avance técnico: Variedad Colombia. https://publicaciones.cenicafe.org/index.php/avances_tecnicos/article/download/304/371/347
  5. Sweet Maria's, Caturra. https://library.sweetmarias.com/glossary/caturra/
  6. Wikipedia, Coffee leaf rust. https://en.wikipedia.org/wiki/Coffee_leaf_rust