☕ 3 Kernpunkte
- Pacamara entstand 1958 am ISIC in El Salvador durch Kreuzung von Pacas (einer Bourbon-Mutation) mit Maragogipe (einer Typica-Mutation, bekannt für riesige Bohnen) — aromatisch und visuell einzigartig.
- Pacamara-Bohnen sind die visuell markantesten im Specialty-Markt: flach-oval, extrem groß (Grade 20+, über 8 mm Siebgröße), oft mit einem deutlichen Zentral-Graben.
- Das Pacamara-Profil ist polarisierend: intensive Blume, tropische Frucht, manchmal würzige Harznoten — ein Profil, das von Cupping-Profis hoch gelobt und von einigen Einsteigern als "fremd" beschrieben wird.
Pacamara-Varietät: Die größte Bohne und eines der komplexesten Profile
Entstehung und Botanik
Pacamara wurde 1958 vom ISIC (Instituto Salvadoreño de Investigación del Café) in El Salvador durch Kreuzung entwickelt: Pacas (kompakter Bourbon-Mutant, entdeckt 1949 auf der Farm der Familie Pacas in Santa Ana) × Maragogipe (Typica-Mutation aus Maragogipe, Bahia, Brasilien — riesige Bohnen). Das Ziel: Kompaktheit und Robustheit von Pacas kombinieren mit der Bohnengröße und dem intensiven Profil von Maragogipe. Das Ergebnis übertraf die Erwartungen aromatisch: Pacamara zeigt Profile, die keine der Elternvarietäten in dieser Intensität zeigen.
Sensorisches Profil
Pacamara kann zeigen: Intensives Blumenprofil (Jasmin, Hibiskus, Orangenblüte), tropische Frucht (Maracujá, Guave, Mango), manchmal Harz oder Kräuter. Die Intensität ist höher als bei Bourbon oder Typica. Problematisch: Überreife oder schlecht gefermentierte Pacamara-Lots können kippen — zu fermentiert, zu würzig, zu laut. Die besten Pacamara-Lots (aus El Salvador Apaneca-Ilamatepec, aus Guatemala oder Honduras) sind aromatisch eindringlich und lang anhaltend.
COE-Erfolge und Marktstellung
Pacamara dominiert regelmäßig die oberen Plätze des Cup of Excellence El Salvador: 2019, 2020, 2021 gewannen Pacamara-Lots den ersten Platz. Auch in Guatemala (besonders in Acatenango) ist Pacamara auf dem Vormarsch. Herausforderung: Die riesigen Bohnen rösten ungleichmäßig — Röster müssen Röstprofile anpassen (langsamerer Hitzeeintrag, präziser DTR). Zu schnell geröstet: äußere Bohnenoberfläche röst, Kern bleibt roh ("underdevelopment"). Das erklärt, warum Pacamara-Lots in der Hand exzellenter Röster außergewöhnlich sind — und in der Hand mittelmäßiger Röster enttäuschen.
Kaufempfehlung
Pacamara-Specialty aus El Salvador oder Guatemala: 20–40 € pro 250 g. Brühempfehlung: V60 oder Chemex bei 92–93 °C, Verhältnis 1:16. Kein French Press — die Komplexität braucht die Filterklarheit. Espresso aus Pacamara: sehr anspruchsvoll, aber bei präziser Röstung und Extraktion außergewöhnlich. Für Einsteiger in Varietäten-Erkundung: Pacamara nach Bourbon und Gesha entdecken — es ist ein komplexeres Erlebnis, das sensorisches Vokabular voraussetzt.