Laurina und Eugenioides: koffeinarme Kaffeepflanzen im Faktencheck

Kurzantwort: Laurina, auch Bourbon pointu genannt, ist eine Arabica-Sorte, die aus einer natürlichen Mutation des Bourbon auf Réunion hervorging und nach veröffentlichten Zahlen etwa halb so viel Koffein enthält wie üblicher Arabica. Coffea eugenioides ist dagegen eine eigene, wild vorkommende Art und einer der beiden Elternteile des Arabica, gemessen mit rund 0,5 Prozent Koffein in der Trockenmasse. Beide sind koffeinarm, keine von beiden koffeinfrei, und der Gehalt schwankt von Bohne zu Bohne erheblich.

Das Wesentliche im Überblick
  • Laurina ist eine Sorte von Coffea arabica; eugenioides ist eine eigene Art und Elternteil des Arabica
  • Veröffentlichte Werte: Laurina mit 0,6 bis 0,7 Prozent in der von Priolli et al. (2008) zitierten Literatur, Roter Bourbon mit etwa 1,07 Prozent; eugenioides mit 0,51 Prozent, Robusta mit 2,64 Prozent (Campa et al., 2005)
  • Einzelbohnen-Messungen von 2010: Laurina zwischen 1,17 und 9,97 mg/g, ein niedriger Durchschnitt ist also keine Garantie für jede Bohne
  • Laurina gilt als ertragsschwach, eugenioides wird nur in winzigen Mengen angebaut
  • Koffeinarm heißt nicht entkoffeiniert; diese Seite ist allgemeine Information, keine medizinische Beratung
  • Nur Coffea charrieriana wurde 2008 als koffeinfrei beschrieben, ist aber kein erhältlicher Kaffee

Art oder Sorte: die erste Unterscheidung

Wer nach koffeinarmem Kaffee sucht, stößt auf zwei Namen, die selten sauber getrennt werden. Laurina ist eine Sorte innerhalb der Art Coffea arabica, einer allotetraploiden Art, die die Genome zweier Elternarten in sich vereint. Coffea eugenioides ist eine eigene, diploide Art. Der Unterschied hat praktische Folgen: Laurina schmeckt und verhält sich wie ein Arabica, eugenioides wie nichts anderes im Regal.

Für den Einstieg in die Artenfrage lohnt unser Ratgeber Arabica und Robusta; kurze Antworten zu koffeinarmen Sorten liefert die FAQ zu natürlich koffeinarmen Varietäten.

Was die veröffentlichten Messwerte sagen

Beginnen wir mit der Art. Campa und Kollegen (Food Chemistry, 2005) haben 21 wilde Coffea-Arten und Taxa verglichen. Eugenioides liegt dort bei 0,51 Prozent der Trockenmasse, Robusta (Coffea canephora) bei 2,64 Prozent. Die Autoren beschreiben eine diskontinuierliche Verteilung: manche Arten enthalten praktisch nichts, andere mehr als 2,5 Prozent.

Für Laurina sind die Angaben dünner gesät. Priolli et al. (Genetics and Molecular Biology, 2008) nennen in der von ihnen zitierten Literatur 0,6 bis 0,7 Prozent, bei einem gemessenen Roten Bourbon von etwa 1,07 Prozent. In Brasilien wurde aus Laurina die Linie Bourbon LC selektiert, mit berichteten 0,6 Prozent gegenüber 1,2 Prozent bei Standard-Arabica (Sondahl, 2001). Das Verhältnis eins zu zwei taucht also wiederholt auf, stützt sich aber auf wenige Quellen.

Warum ein Durchschnitt nicht reicht

Mazzafera und Silvarolla (Seed Science Research, 2010) haben Koffein an einzelnen grünen Bohnen bestimmt. Laurina lag zwischen 1,17 und 9,97 mg/g, Roter Bourbon zwischen 6,76 und 16,59 mg/g; eine Catuaí-Bohne erreichte 25,9 mg/g. Die Bereiche überschneiden sich, und die Streuung innerhalb einer Sorte ist groß.

Praktisch heißt das: Eine Packung Laurina enthält im Mittel weniger Koffein als eine Packung Bourbon, aber jede einzelne Bohne ist ein Zufallsprodukt. Dass das Merkmal selbst real ist, bestätigt eine Untersuchung an Keimlingen (Adler et al., Trees, 2016): Die Laurina-Mutation senkt den Koffeingehalt.

Woher stammen die beiden?

Laurina, im Handel auch Bourbon pointu, soll nach gängiger Darstellung zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf der Insel Bourbon, dem heutigen Réunion, aus einem Feld ausgelesen worden sein. Lecolier und Kollegen (Euphytica, 2009) halten zugleich fest, dass die genaue Herkunft uneindeutig ist und bis heute diskutiert wird. Der Baum bleibt zwergwüchsig und wächst in Tannenbaumform; die Bohnen haben einen guten Ruf in der Tasse. Einordnen lässt sich Laurina in die Familie des Bourbon; die FAQ zu Laurina fasst es kurz zusammen.

Eugenioides interessiert wegen seiner Rolle als Elternart. Der Arabica entstand durch eine natürliche Kreuzung von Coffea canephora und Coffea eugenioides, nach Salojärvi et al. (Nature Genetics, 2024) vor etwa 610.000 bis 350.000 Jahren. Schon Lashermes und Kollegen hatten eine eugenioides-ähnliche Art als mütterlichen Genomspender benannt. Die andere Elternart behandelt unser Robusta-Ratgeber, zu eugenioides gibt es eine eigene FAQ.

Ertrag und Anbau: warum so selten

Eine brasilianische Arbeit von 1988 (Carvalho, Fazuoli, Mazzafera) führt Laurina ausdrücklich als Kultivar mit geringer Ertragsleistung und beschreibt Kreuzungen mit dem ertragreichen Mundo Novo, um niedriges Koffein mit besserem Ertrag zu verbinden. Das erklärt, warum Laurina eine Nische bleibt. Eine belastbare öffentliche Preisliste gibt es nicht, deshalb nenne ich keine Preise.

Noch seltener ist eugenioides. Die einzige gewerbliche Quelle, die ich nachverfolgen konnte, ist eine kolumbianische Farm, Inmaculada bei Pichindé auf etwa 1.700 bis 2.000 Metern. Ein britischer Röster gibt an, ein Baum liefere dort rund 150 g Rohkaffee pro Ernte, etwa die Hälfte eines Arabica-Baums. Das ist eine Verkäuferangabe und als solche zu lesen.

Tassenprofil: Beschreibungen, keine Norm

Röster beschreiben Laurina als süß, sauber und sanft, mitunter teeartig. Über eugenioides liest man Ungewöhnlicheres: Marshmallow, Papaya und Guave bei einem Verkäufer, eine "fröhliche", süße Tasse in der Fachpresse, verbunden mit dem ehrlichen Hinweis, manche Trinker erkennten darin kaum Kaffee. Das sind Eindrücke einzelner Partien, kein sensorischer Standard.

Mein Rat: als Filterkaffee probieren und wegen der Eigenart kaufen, nicht wegen des Koffeinarguments.

Gibt es eine Kaffeepflanze ganz ohne Koffein?

Botanisch ja. Coffea charrieriana, 2008 von Stoffelen, Noirot, Couturon und Anthony im Botanical Journal of the Linnean Society beschrieben, wurde als erste koffeinfreie Coffea-Art Zentralafrikas und erst zweite des afrikanischen Kontinents vorgestellt. Bei Campa und Kollegen liegen weitere wilde Arten nur im Spurenbereich, etwa Coffea salvatrix mit 0,03 Prozent. Ein etabliertes kommerzielles Angebot habe ich nicht gefunden.

Was heißt koffeinarm für Ihre Tasse?

Im Mittel und unter sonst gleichen Bedingungen liefert Laurina pro Gramm Kaffeemehl weniger Koffein als ein üblicher Arabica. Die tatsächliche Menge hängt von Dosierung, Zubereitung und der Streuung zwischen Bohnen ab. Wer Kaffee mit sehr wenig Koffein braucht, liest besser unseren Ratgeber zu entkoffeiniertem Kaffee und den Beitrag zu Koffein in entkoffeiniertem Kaffee. Zu allgemeinen Wirkungen siehe den Ratgeber Koffein und Gesundheit.

Dies ist allgemeine Information, keine medizinische Beratung. Bei Schwangerschaft, Medikamenten oder Schlafproblemen ist eine Ärztin oder ein Arzt die richtige Anlaufstelle.

Kauf: worauf Sie achten sollten

Achten Sie auf den Sortennamen (Laurina, Bourbon pointu oder Bourbon LC), die Farm, die Höhe und die Aufbereitung. Misstrauen ist bei jedem "koffeinarm"-Versprechen ohne datierte Messung angebracht. Bei eugenioides rechnen Sie mit einer sehr kleinen Packung und einem Liebhaberpreis, eher zum Ausprobieren aus Neugier.

Weiterlesen: Kaffee und Schlaf · Alle Ratgeber · FAQ Specialty Coffee · Glossar: Koffein

Häufige Fragen

Ist Laurina entkoffeinierter Kaffee?

Nein. Laurina ist eine Arabica-Sorte mit von Natur aus weniger Koffein, in der zitierten Literatur etwa 0,6 bis 0,7 Prozent und damit ungefähr die Hälfte üblichen Arabicas. Koffeinfrei ist sie nicht.

Was unterscheidet Laurina und Eugenioides?

Laurina ist eine Sorte von Coffea arabica, eine Mutation des Bourbon. Eugenioides ist eine eigene Art, Coffea eugenioides, einer der beiden Elternteile des Arabica, gemessen mit etwa 0,51 Prozent Koffein in der Trockenmasse.

Kann ich bei Laurina mit einer festen Koffeinmenge rechnen?

Nein. Einzelbohnen-Messungen streuen stark, in einer Studie von 2010 von 1,17 bis 9,97 mg/g, und die Menge in der Tasse hängt zusätzlich von der Zubereitung ab.

Warum sind diese Kaffees selten und teuer?

Laurina gilt als ertragsschwach, eugenioides wird nur in sehr kleinen Mengen angebaut. Die Preise folgen der Knappheit der Partien, ohne öffentliche Referenzliste.

Quellen

  1. Campa C., Doulbeau S., Dussert S., Hamon S., Noirot M., Qualitative relationship between caffeine and chlorogenic acid contents among wild Coffea species, Food Chemistry 93, 2005, S. 135-139. https://library.sweetmarias.com/wp-content/uploads/2020/08/caffeine-and-chlorogenic-acid-contents-among-wild-Coffea.pdf
  2. Priolli R.H.G. et al., Caffeine inheritance in interspecific hybrids of Coffea arabica x Coffea canephora, Genetics and Molecular Biology, 2008. https://www.scielo.br/j/gmb/a/v8zCVxyGtvDvwmK5JGhnjfg/
  3. Sondahl M.R., Coffee breeding assisted by somaclonal variation: case of 'Bourbon LC' variety, 19. ASIC-Kolloquium, Triest, 2001. https://sidalc.net/search/Record/KOHA-OAI-BVE:89284
  4. Mazzafera P., Silvarolla M.B., Caffeine content variation in single green Arabica coffee seeds, Seed Science Research, 2010. https://www.cambridge.org/core/journals/seed-science-research/article/caffeine-content-variation-in-single-green-arabica-coffee-seeds/8EC5FD5D5D9C84DDCD701FA51E86CCEE
  5. Lecolier A., Besse P., Charrier A., Tchakaloff T.N., Noirot M., Unraveling the origin of Coffea arabica 'Bourbon pointu' from La Réunion, Euphytica 168, 2009, S. 1-10. https://www.documentation.ird.fr/hor/fdi:010046129
  6. Adler S., Mouille G., Fock-Bastide I., Citerne S., Noirot M., Comparison between Coffea arabica L. 'Laurina' and C. arabica 'Bourbon' seedlings, Trees 30, 2016, S. 665-674. https://www.documentation.ird.fr/hor/fdi:010066945
  7. Carvalho A., Fazuoli L.C., Mazzafera P., Melhoramento do cafeeiro: produtividade de progênies derivadas de hibridação dos cultivares Laurina e Mundo Novo, 1988. https://sidalc.net/search/Record/KOHA-OAI-BVE:82130
  8. Salojärvi J. et al., The genome and population genomics of allopolyploid Coffea arabica reveal the diversification history of modern coffee cultivars, Nature Genetics, 2024. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11018527
  9. Lashermes P., Combes M.C., Trouslot P., Anthony F., Charrier A., Molecular analysis of the origin and genetic diversity of Coffea arabica L., CIRAD, 1996. https://horizon.documentation.ird.fr/exl-doc/pleins_textes/2022-02/010009009.pdf
  10. Stoffelen P., Noirot M., Couturon E., Anthony F., A new caffeine-free coffee from Cameroon, Botanical Journal of the Linnean Society, 2008. https://www.documentation.ird.fr/hor/fdi:010042785
  11. Kiss the Hippo Coffee, The World's Rarest Low-Caffeine Coffee (Verkäuferseite: Inmaculada-Partie, Ertrag je Baum, Tassennoten); Sprudge, What is Eugenioides Coffee?. https://kissthehippo.com/blogs/news/introducing-eugenioides-the-world-s-rarest-low-caffeine-coffee