Castillo Kaffeesorte (Kolumbien): Herkunft, Rostresistenz und Tassenqualität

Kurzantwort: Castillo ist eine kolumbianische Arabica-Sorte, die Cenicafé aus Caturra und dem Timor-Hybrid gezüchtet hat und die der nationale Kaffeeverband 2005 freigab. Sie trägt genetische Resistenz gegen den Kaffeerost, wächst niedrig und füllt heute einen großen Teil der kolumbianischen Anbaufläche. Der Ruf schwächerer Tassenqualität hält einer Prüfung kaum stand: Ein Blindversuch mit 22 Betrieben in Nariño ergab keinen statistisch signifikanten Unterschied zu Caturra, nur einen anderen Geschmackscharakter.

Das Wesentliche im Überblick
  • Eltern: Caturra und Timor-Hybrid (Linie CIFC 1343), Selektion bei Cenicafé
  • 2005 vom FNC freigegeben (Resolución 03 vom 13. Mai), nach der Sorte Colombia von 1983
  • Komposit aus 35 Linien, mit sieben Regionalsorten wie Naranjal und El Tambo
  • Rostresistent, doch Cenicafé meldet aufkommenden Druck auf Sorten aus der HT-1343-Quelle
  • Blindversuch 2014 bis 2015 in Nariño (22 Betriebe): kein signifikanter Unterschied zu Caturra
  • 2018 bestanden 80 % der kolumbianischen Pflanzen aus resistenten Sorten, Durchschnittsalter der Pflanzungen 6,87 Jahre (FNC)

Was ist die Kaffeesorte Castillo?

Castillo ist eine gezüchtete Arabica-Sorte aus Kolumbien. Entwickelt hat sie Cenicafé, das Forschungszentrum des nationalen Kaffeeverbands FNC, freigegeben wurde sie 2005. Sie ist keine Herkunft und kein Verfahren, sondern eine Pflanze mit einem klaren Zweck: Rostresistenz bei niedrigem Wuchs. Wer Kolumbien als Ganzes einordnen möchte, liest dazu unseren Ratgeber zu kolumbianischem Kaffee.

Woher stammt Castillo?

Die Eltern sind Caturra und der Timor-Hybrid. Caturra ist eine Zwergmutation des Bourbon, kompakt und ertragreich, aber anfällig für den Kaffeerost (Hemileia vastatrix). Der Timor-Hybrid, eine natürliche Kreuzung aus Arabica und Robusta, liefert die Widerstandskraft. Cenicafé nutzte die Linie CIFC 1343, dieselbe Genquelle, aus der auch der Catimor entstand.

Einen ersten Schritt hatte Kolumbien schon 1983 getan: Die Sorte Colombia war die erste Komposit-Sorte des Landes mit genetischer Rostresistenz, erdacht von Jaime Castillo Zapata und Germán Moreno. Castillo setzt diesen Weg fort. Laut einem UPOV-Dokument verkürzte ein beschleunigtes Zuchtschema die Selektion auf achtzehn Jahre, gegenüber rund fünfundzwanzig bei einem klassischen Programm. Mehrere Generationen (bis F5 und F6) wurden dabei durchgezüchtet.

Warum ist Castillo ein Komposit, und welche Regionalsorten gibt es?

Castillo ist kein einzelner Genotyp. Das UPOV-Dokument beschreibt 35 ausgewählte Linien, die getrennt vermehrt und geerntet und anschließend zu gleichen Gewichtsanteilen gemischt werden. Die Idee dahinter ist defensiv: Überwindet ein Rostpilz eine Linie, bremsen die übrigen seine Ausbreitung.

Zusätzlich unterscheidet Cenicafé sieben Regionalsorten für verschiedene Anbauzonen: Naranjal, Paraguaicito, Santa Bárbara, Pueblo Bello, El Rosario, La Trinidad und El Tambo. Auf einem Etikett steht in der Regel nur Castillo. Zertifiziertes Saatgut läuft über die Kaffeekomitees der Departamentos und über von Cenicafé ausgewählte Betriebe.

Wie hat der Rost Castillo zur Massensorte gemacht?

Zwischen 2008 und 2011 traf der Rost Kolumbien hart. Der FNC antwortete mit einer groß angelegten Erneuerung der Pflanzungen. Ihr Bericht vom November 2018 nennt ein Durchschnittsalter von 6,87 Jahren, nach 10,82 Jahren im Jahr 2010, und 80 % der Pflanzen aus rostresistenten Sorten. Eine Veröffentlichung von Cenicafé bezifferte den Anteil an der Anbaufläche für 2016 schon auf 74 %, Castillo eingeschlossen.

Derselbe Bericht weist einen landesweiten Durchschnittsertrag von 18,6 Säcken (60 kg) Rohkaffee je Hektar aus, 7,8 Säcke mehr als 2011. Castillo erklärt das nicht allein. Doch eine Pflanze, die nicht ständig gespritzt werden muss, ist billiger im Unterhalt und lässt sich dichter pflanzen. Deshalb begegnet man ihr von Huila bis Nariño und Cauca.

Schmeckt Castillo schlechter als Caturra?

Lange galt das als ausgemacht. Ein Blindversuch hat es geprüft. Catholic Relief Services, CIAT und World Coffee Research sammelten Proben von 22 Betrieben in Nariño, die beide Sorten nebeneinander anbauten. Verkoster bewerteten sie vier Mal bei Intelligentsia in Chicago, im Oktober 2014 und im Januar 2015. Ergebnis: kein statistisch signifikanter Unterschied bei den Durchschnittswerten.

Die beschreibende Analyse der Kansas State University auf Basis des SCAA-Lexikons trennte die Sorten dennoch im Charakter. Gutes Castillo wirkte fruchtig, mit dunkler Schokolade und gerösteter Nuss, gutes Caturra blumig, mit Kakao und Karamell. Das ist ein Stilunterschied, keine Rangfolge. Die Grenzen bleiben zu beachten: ein Departamento, eine Ernte, gewöhnliche Partien statt Wettbewerbslose.

Über die Tasse entscheiden Höhenlage, reife Kirschen, Fermentation und Trocknung. Als Vergleich zu den klassischen Sorten helfen unsere Texte zu Typica und Bourbon.

Wo liegen die Grenzen von Castillo?

Resistenz ist keine Lebensgarantie. Forscher von Cenicafé verweisen selbst auf aufkommenden Rostdruck bei kolumbianischen Sorten aus der HT-1343-Quelle. Das ist ein Grund zum Weiterzüchten, nicht zur Panik: Die Sorte Colombia schützte Pflanzungen über fünfundzwanzig Jahre, und der Komposit-Aufbau soll Castillo ähnlich lange tragen.

Auch am Markt gibt es eine Decke. Die teuersten Partien Kolumbiens setzen oft auf andere Sorten oder experimentelle Aufbereitung, Castillo liegt eher im Alltags- und Mittelsegment. Und ein Land, das eine genetische Familie so breit pflanzt, trägt ein Systemrisiko, das der Komposit mildert, aber nicht aufhebt.

Worauf achten, wenn Castillo auf der Packung steht?

Lesen Sie, was die Sorte umgibt: Departamento, Höhenlage, Aufbereitung, Produzent oder Kooperative, Erntedatum. Ein sauber dokumentiertes Castillo schlägt einen anonymen Geisha. Im Espresso sind dunkle Schokolade, Nuss und rotfruchtige Säure zu erwarten, im Filter eine süßere, oft ruhigere Tasse als bei einem blumigen Caturra. Fehlt jede Sortenangabe, fragen Sie den Röster.

Häufige Fragen

Ist Castillo gentechnisch verändert?

Nein. Es ist ein Hybrid aus klassischer Kreuzung und mehreren Selektionsgenerationen zwischen Caturra und Timor-Hybrid, ohne Gentechnik.

Was unterscheidet Castillo von Colombia?

Colombia (1983) war die erste rostresistente Komposit-Sorte des Landes. Castillo (2005) folgte als weitere Generation, zusammengesetzt aus 35 ausgewählten Linien.

Ist Castillo in der Tasse schlechter als Caturra?

Laut Blindversuch in Nariño nicht: kein statistisch signifikanter Unterschied bei den Werten. Der Stil weicht ab: fruchtig und dunkle Schokolade gegenüber blumig und Karamell.

Bleibt Castillo dauerhaft rostresistent?

Nicht zwingend. Cenicafé beobachtet aufkommenden Rostdruck auf Sorten aus dem Timor-Hybrid 1343, weshalb der Komposit-Aufbau und weitere Züchtung wichtig bleiben.

Weiterlesen: Kaffee aus Kolumbien · Catimor · Bourbon · Typica · Alle Ratgeber · Kaffee-FAQ

Quellen

  1. Cenicafé, Avance Técnico zur Sorte Castillo (Freigabe per Resolución 03 vom 13. Mai 2005, Kreuzung Caturra x Timor-Hybrid, sieben Regionalsorten). https://biblioteca.cenicafe.org/bitstream/10778/410/1/avt0426.pdf
  2. Cenicafé, Revista Cenicafé 70(1) (Castillo als resistente Kontrolle, Abstammung vom Timor-Hybrid CIFC 1343, 74 % der Anbaufläche 2016 mit resistenten Sorten). https://www.cenicafe.org/es/publications/arc070%2801%29044-064.pdf
  3. UPOV, Technical Working Party TWA/37, Dokument zur Sorte Castillo (Komposit aus 35 Linien, Selektion in 18 Jahren). https://www.acc.upov.int/edocs/mdocs/upov/en/twa/37/twa_37_07_add.pdf
  4. Federación Nacional de Cafeteros de Colombia, Más agronomía, más productividad, November 2018 (Fläche, Durchschnittsalter der Pflanzungen, 80 % resistente Pflanzen). https://federaciondecafeteros.org/static/files/masagronomiamasproductividad.pdf
  5. Daily Coffee News, World-class graders gather at Intelligentsia HQ for Colombia sensory trial, 8. Oktober 2014 (Catholic Relief Services, CIAT, World Coffee Research). https://dailycoffeenews.com/2014/10/08/world-class-graders-gather-at-intelligentsia-hq-for-colombia-sensory-trial
  6. Daily Coffee News, Michael Sheridan (CRS), Ergebnisse des Sensorikversuchs Castillo gegen Caturra in Nariño. https://dailycoffeenews.com/?p=45320
  7. World Coffee Research, Start des Arabica Variety Catalog. https://worldcoffeeresearch.org/news/world-coffee-research-launches-first-ever-coffee-variety-catalog/