SL28 (Kenia)
SL28 ist eine kenianische Arabica-Varietät, in den 1930er Jahren am Scott Agricultural Laboratories selektiert. Sie zeigt das intensivste phosphatische Säureprofil aller Arabica-Varietäten: Schwarze Johannisbeere, Tomatensaft, Kirsche.
Hintergrund & Kontext
SL28 ist eine der ikonischsten Arabica-Varietaeten weltweit und das Aushilageschild kenianischen Kaffees. Die Abkuerzung SL steht fuer Scott Laboratories, benannt nach dem Scott Agricultural Laboratories in Kabete, Kenia, wo in den 1930er Jahren im Auftrag der kolonialbritischen Verwaltung Kaffeevarietaeten selektiert wurden. SL28 wurde aus einer Tanganyika-Duerreresistenz-Auslese entwickelt, vermutlich mit Bourbon-Abstammung. Ihre Faehigkeit, in der Trockenzeit mit weniger Wasser auszukommen, machte sie zur bevorzugten Anbauvarietaet in Kenia. Was sie im Cup auszeichnet, ist einzigartig: Das phosphatische Saeureprotil (hauptsaechlich Phosphorsaeure statt der bei anderen Varietaeten dominanten Aepfelsaeure) erzeugt eine fast kribbelnde, beerenartige Lebendigkeit, die mit Schwarze Johannisbeere, Tomatensaft, Kirsche und Pflaume beschrieben wird.
Praktische Anwendung
In der deutschen Specialty-Szene gilt kenianischer SL28 als Benchmark fuer komplexe Saeure und fruchtige Lebendigkeit. Wer noch nie einen gut aufbereiteten Kenian SL28 als Pour-over probiert hat, hat einen wichtigen Referenzpunkt der Kaffee-Sensorik verpasst. Typische Geschmacksnotizen: Schwarze Johannisbeere, Kirsche, Tomatensaft, manchmal Tamarinde oder Zitrusschale. Der Preis fuer Specialty-Lots aus Kenia (Kiambu, Nyeri, Kirinyaga) liegt zwischen 12 und 25 Euro pro Kilogramm Rohkaffee. SL28 ist anfaellig fuer Kaffeerost (Hemileia vastatrix), was seinen Anbau zukunftsunsicher macht.
Verwandte Begriffe
Verwandt sind SL34 Varietaet Kenia, Bourbon Varietaet, Kenia Kaffee, Phosphorsaeure, Varietaet vs. Kultivar und Saeure Kaffee. SL28 ist der Goldstandard fuer phosphatische Saeure im Specialty-Coffee.
SL28 wurde aus einer Pflanze eines "Tanganyika Drought Resistant"-Bestands selektiert — wahrscheinlich äthiopisch-sudarabischer Herkunft. Die Nummernbezeichnung "28" stammt von der Selektionsnummer im Scott Agricultural Laboratories (SAL). Das Profil ist einzigartig identifizierbar: Schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum) als dominanter Descriptor, Tomatensaft oder -blatt (phenolischer Descriptor), Pflaume, Kirsche. Wissenschaftlicher Hintergrund: Der hohe Phosphorgehalt des roten Lateritbodens Kenias korrespondiert mit der SL28-Adaptation — die Varietät nutzt Phosphor für spezifische Aromaverbindungen effizient. SL28 ist anfällig für Blattrost und Kaffeebeerenbohrer.