Wush-Wush-Sorte: Profil und Seltenheit erklärt

Von Felix Brandt · S2 : Kaffeesorten · Lesezeit: 9 Min.

Kurze Antwort

Wush Wush ist eine Arabica-Landrasse aus der Region Keffa im Südwesten Äthiopiens, dem Gebiet, nach dem sie benannt ist. Lange außerhalb ihrer Heimat kaum bekannt, wird sie heute in kleinen Mengen in Kolumbien und Lateinamerika angebaut, wo sie zu einem seltenen, blumig-fruchtigen Kaffee geworden ist, der für Specialty-Mikrolots gesucht wird.

Das Wichtigste

  • Äthiopische Landrasse, benannt nach dem Ort Wush Wush in der Region Keffa (Südwest-Äthiopien).
  • Heute in Kolumbien und Lateinamerika angebaut, in sehr kleinen Mengen.
  • Blumig-fruchtige Tasse (Heidelbeere, Vanille, Ahornsirup, Lavendel je nach Quelle).
  • Seltenheit durch geringen Ertrag und Nachfrage; hoher Preis, Segment Mikrolots und Wettbewerbe.
Wush-Wush-Sorte, eine äthiopische Landrasse mit blumig-fruchtiger Tasse
Jede äthiopische Landrasse zeigt je nach Herkunft und Anbaubedingungen ein eigenes Aromaprofil.

Eine äthiopische Landrasse und der Name Wush Wush

Der Begriff Landrasse bezeichnet eine Kaffeesorte, die aus der natürlichen genetischen Vielfalt Äthiopiens stammt und nicht aus einem modernen Züchtungsprogramm. Wush Wush gehört zu dieser großen Familie äthiopischer Landrassen, wie Gesha zuvor. Ihr Name kommt direkt vom Ort Wush Wush in der Region Keffa (oder Kaffa) im Südwesten Äthiopiens, einem Waldgebiet, das weithin als eine der Wiegen des Arabica gilt.

Bei der genauen Genetik von Wush Wush ist Vorsicht geboten. Wie bei vielen äthiopischen Landrassen ist ihre exakte Abstammung schlecht dokumentiert und nicht so rigoros nachgezeichnet wie die von Gesha. World Coffee Research katalogisiert viele solcher Sorten in seinem Referenzwerk, doch die vollständige Kartierung äthiopischer Landrassen bleibt eine laufende Arbeit. Auf expertcafe.be halten wir uns daher an das Gesicherte: äthiopische Herkunft, Landrassen-Status und ein Ruf, der auf Tassenqualität beruht und nicht auf einem zertifizierten Stammbaum.

Verbreitung nach Kolumbien und Lateinamerika

Der Werdegang von Wush Wush erinnert an den von Gesha: eine äthiopische Sorte, die in Lateinamerika ein zweites Leben fand. Heute ist sie kommerziell am sichtbarsten in Kolumbien, wo mehrere Specialty-Farmen sie auf hochgelegenen Parzellen gepflanzt haben. Laut Perfect Daily Grind kauft der US-Röster Proud Mary Coffee seit 2016 kolumbianischen Wush Wush von der Finca El Zafiro, geführt von Nancy und Oscar Maca.

Sie taucht auch in Panama und auf einigen mittelamerikanischen Farmen auf, doch stets in marginalen Mengen. Diese Verbreitung bleibt begrenzt: Wush Wush ist keine Massenanbausorte, sondern eine Rarität für Erzeuger und Käufer auf der Suche nach seltenen Profilen. Fachmedien ordnen sie denn auch neben Sidra, Pink Bourbon und Chiroso unter den "ultraseltenen" Sorten des vergangenen Jahrzehnts ein.

Sensorisches Profil: blumig und fruchtig

Wush Wush wird für ein ausdrucksstarkes Aromaprofil geschätzt, oft als intensiv fruchtig beschrieben. Marker, die Röster und Fachmedien regelmäßig nennen:

Wie bei allen seltenen Sorten hängt die Tasse stark von Herkunft, Höhenlage, Aufbereitung (gewaschen, natural, kontrollierte Fermentation) und Röstung ab. Eine helle Röstung wird meist bevorzugt, um die flüchtigen Aromen zu bewahren.

Seltenheit, Ertrag und Preis

Die Seltenheit von Wush Wush ergibt sich aus mehreren Faktoren: geringem Ertrag, kleinen Anbauflächen und einer Nachfrage, die sich am oberen Marktende konzentriert. Wie bei Gesha bleibt das verfügbare Angebot hinter dem Appetit von Specialty-Röstern und Barista-Wettbewerbern zurück, was hohe Preise stützt.

In der Praxis erscheint Wush Wush vor allem als Mikrolots und limitierte Serien, mitunter innerhalb der "Deluxe"-Linien mancher Röster. Sie ist selten in Mengen verfügbar, die groß genug für einen festen Platz in einem breiten Sortiment wären. Kein universeller Preismaßstab lässt sich seriös angeben: Die Tarife variieren je nach Farm, Erntejahr, Aufbereitung und Cupping-Score des Lots.

Vergleich mit Gesha

Wush Wush wird oft mit Gesha verglichen, und die Verwechslung ist nachvollziehbar: zwei äthiopische Landrassen, wiederentdeckt und außerhalb Äthiopiens geschätzt, beide im Premium-Segment. Doch es sind tatsächlich zwei verschiedene Sorten mit unterschiedlichen Tassenprofilen.

Während gewaschener panamaischer Gesha für eine sehr intensive blumige Feinheit (Jasmin, Bergamotte) und einen leichten, teeartigen Körper berühmt ist, tendiert Wush Wush zu einem fruchtigeren, üppigeren Profil mit roten Früchten, Vanille und einer runderen Süße. Bei der Bewertung notierte Coffee Review im Oktober 2023 einen Durchschnitt von 88 Punkten über zehn Wush-Wush-Proben (von 81 bis 93), ein hohes Niveau, aber unter den Spitzenwerten der besten Geshas. Wush Wush hat (noch) nicht die Aura oder die Auktionsrekorde von Gesha, nimmt aber einen vergleichbaren Platz in der Vorstellungswelt seltener Sorten ein.

Überblickstabelle

Kriterium Wush Wush
TypArabica-Landrasse
HerkunftRegion Keffa, Südwest-Äthiopien (Ort Wush Wush)
Aktuelle VerbreitungKolumbien, Panama, Lateinamerika (begrenzte Mengen)
TassenprofilRote Früchte, Heidelbeere, Vanille, Ahornsirup, Lavendel
KörperGeschmeidig, süß
ErtragGering
VerfügbarkeitSelten, vor allem Mikrolots und Wettbewerbe
Relativer PreisHoch (Premium-Segment)

Häufige Fragen

Was ist die Wush-Wush-Sorte?

Es ist eine Arabica-Landrasse aus der Region Keffa im Südwesten Äthiopiens, nach der sie benannt ist. Geschätzt für ihre blumig-fruchtige Tasse, wird sie heute in kleinen Mengen in Kolumbien und Lateinamerika angebaut.

Warum ist Wush-Wush-Kaffee so teuer?

Der hohe Preis ergibt sich aus geringem Ertrag, sehr begrenzten Mengen und einer Nachfrage, die das Angebot übersteigt. Wie Gesha liegt sie vor allem im Segment der Mikrolots und Wettbewerbskaffees.

Wie schmeckt Wush-Wush-Kaffee?

Röster und Fachmedien beschreiben rote Früchte und Heidelbeere, Vanille, Ahornsirup und Lavendel, mit ausgeprägter Süße. Das Profil variiert nach Herkunft, Höhenlage und Aufbereitung.

Ist Wush Wush dieselbe Sorte wie Gesha?

Nein. Es sind zwei verschiedene äthiopische Landrassen mit vergleichbarem Werdegang und Premium-Position, aber unterschiedlichen Tassenprofilen und unterschiedlicher Genetik.

Quellen

← Zurück zu den Ratgebern