Koffein bei Kindern und Jugendlichen: die EFSA-Richtwerte im Alltag
☕ Das Wichtigste
- Das wissenschaftliche Gutachten der EFSA von 2015 schlägt für Kinder und Jugendliche 3 mg Koffein pro kg Körpergewicht und Tag vor, aus allen Lebensmitteln und Getränken zusammen.
- Rechenweg: Körpergewicht in Kilogramm mal 3 ergibt die Tageshöchstmenge in Milligramm.
- Bei Kindern stammt das Koffein vor allem aus Kakaogetränken, Cola, Tee und Energydrinks, selten aus Kaffee.
- Es ist ein Richtwert für die Bevölkerung, keine individuelle Grenze: Schlaf und innere Unruhe sind die Warnzeichen.
Was sagt das EFSA-Gutachten zu Koffein bei Kindern und Jugendlichen?
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat ihr wissenschaftliches Gutachten zur Sicherheit von Koffein am 27. Mai 2015 veröffentlicht (EFSA Journal 2015;13(5):4102). Für Kinder und Jugendliche schlägt sie bei gewohnheitsmäßigem Verzehr 3 mg pro Kilogramm Körpergewicht und Tag vor. Das ist keine empfohlene Zufuhr, sondern eine Menge, bei der keine Sicherheitsbedenken festgestellt wurden.
Studien an jungen Menschen sind selten. Die EFSA hat deshalb die Schwelle übernommen, die für Erwachsene bei einmaliger Aufnahme gilt (rund 200 mg bei 70 kg), und pro Kilogramm umgerechnet. Begründung: Kinder und Jugendliche bauen Koffein mindestens so schnell ab wie Erwachsene. Berücksichtigt wurden Auswirkungen auf den Schlaf sowie auf Ängstlichkeit und Nervosität.
Für Erwachsene nennt dasselbe Gutachten 400 mg am Tag und 200 mg pro Einzeldosis, in der Schwangerschaft 200 mg am Tag. Der Kinderwert ist kein Bruchteil davon, er folgt dem Gewicht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass er sowohl für eine einzelne Portion als auch für den ganzen Tag gelesen werden kann.
Wie viel Koffein sind 3 mg pro kg in Tassen, Dosen und Gläsern?
Körpergewicht mal drei, dann den Wert mit dem Inhalt des Glases vergleichen. Das BfR nennt als übliche Gehalte 90 mg für 200 ml Filterkaffee, 80 mg für 250 ml Energydrink, 35 mg für 330 ml Cola und 45 mg für 200 ml schwarzen Tee.
| Körpergewicht | Tageshöchstmenge (3 mg/kg) | Entspricht ungefähr |
|---|---|---|
| 20 kg | 60 mg | Weniger als eine Dose Energydrink mit 250 ml (80 mg) |
| 30 kg | 90 mg | Eine Tasse Filterkaffee mit 200 ml (90 mg) |
| 40 kg | 120 mg | Eine Dose Energydrink und eine Cola mit 330 ml (115 mg) |
| 50 kg | 150 mg | Ein Filterkaffee und ein schwarzer Tee (135 mg) |
| 60 kg | 180 mg | Zwei Tassen Filterkaffee mit je 200 ml (180 mg) |
Das sind Durchschnittswerte. Selbst gebrühter Kaffee kann deutlich darüber oder darunter liegen, bei abgepackten Getränken zählt die Angabe auf dem Etikett. Entscheidend ist die Summe über den ganzen Tag, nicht das einzelne Getränk.
Woher stammt das Koffein bei Kindern, wenn nicht aus Kaffee?
Überwiegend aus Kakao und Schokolade. In der europäischen Datenbank zum Lebensmittelverzehr, auf die sich die EFSA stützte, war der Kaffeekonsum von Kindern vernachlässigbar, und bei Kleinkindern waren Kakaogetränke die wichtigste Koffeinquelle. Jugendliche nehmen Koffein je nach Land aus einer breiteren Mischung auf: Schokolade, Kaffee, Cola, Energydrinks und Tee.
Eine Tasse Kakao mit 200 ml enthält laut BfR zwischen 8 und 35 mg, eine große Spanne für ein Getränk, das harmlos wirkt. Kommen eine Cola zum Mittagessen und ein Tee nach der Schule dazu, hat ein Kind mit 25 kg sein Budget von 75 mg schon ausgeschöpft (35 plus 45 sind 80 mg), ohne dass je Kaffee getrunken wurde. Auch entkoffeinierter Kaffee ist nicht völlig koffeinfrei, wie unser Beitrag zu Koffein in entkoffeiniertem Kaffee zeigt.
Warum gelten Energydrinks als Sonderfall?
Weil das Koffein dort kalt, süß und schnell getrunken wird. Die American Academy of Pediatrics hat es 2011 in einem klinischen Bericht klar formuliert: Koffein und andere Stimulanzien in Energydrinks haben in der Ernährung von Kindern und Jugendlichen keinen Platz.
Auch das EU-Recht setzt hier an. Nach der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 muss jedes Getränk außer Kaffee und Tee mit mehr als 150 mg Koffein pro Liter einen Warnhinweis tragen: erhöhter Koffeingehalt, für Kinder sowie schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen, dazu der Gehalt in mg je 100 ml. Die französische Behörde Anses hielt 2013 fest, dass eine Dose mit 250 ml etwa zwei Espressi zu 50 ml oder mehr als zwei Dosen Cola zu 330 ml entspricht.
Ein Verkaufsverbot an Minderjährige gibt es nicht überall. Nach einem Papier des Europäischen Parlaments von 2025 haben Litauen und Lettland zwischen 2014 und 2016 als erste EU-Staaten Beschränkungen eingeführt, Ungarn und Bulgarien folgten 2025 mit Verboten für unter 18-Jährige.
Woran erkennt man, dass es zu viel war?
Zuerst am Schlaf. Ein Kind, das später einschläft, kürzer schläft oder abends aufgedreht wirkt, liefert bessere Informationen als jeder Durchschnittswert. Ängstlichkeit und Nervosität waren die anderen Wirkungen hinter der EFSA-Herleitung.
Der Zeitpunkt zählt so viel wie die Menge. Dieselben 90 mg um zwölf Uhr und um siebzehn Uhr wirken nicht gleich, und die Halbwertszeit von Koffein unterscheidet sich stark von Mensch zu Mensch, wie unser Beitrag Kaffee, Schlaf und Halbwertszeit erklärt. Bauchschmerzen, Herzrasen oder Zittern nach einem koffeinhaltigen Getränk gehören in die ärztliche Sprechstunde.
Wie lässt sich das im Familienalltag umsetzen?
Eine Formel genügt: mg pro 100 ml mal Volumen in ml, geteilt durch 100. Ein Getränk mit 32 mg pro 100 ml liefert in einem Glas mit 250 ml also 80 mg. Davon zieht man ab, was das Kind schon getrunken hat.
Ein Beispiel aus dem Familienalltag: Ein Jugendlicher mit 45 kg hat 135 mg am Tag. Ein Filterkaffee mit 200 ml am Morgen (90 mg) und eine Cola mit 330 ml (35 mg) ergeben 125 mg. Das passt gerade noch, doch für Tee oder Kakao bleibt dann nichts mehr übrig. Wer das vorher weiß, wählt bewusster, was am Tag noch ins Glas kommt.
3 mg/kg ist eine Obergrenze, kein Ziel. Kleine Kinder brauchen keinen Kaffee, und bei Jugendlichen funktioniert eine einfache Regel am besten: ein koffeinhaltiges Getränk, früh am Tag, Energydrinks gar nicht erst einkaufen. Bei Herzerkrankungen, Medikamenteneinnahme oder starker Reaktion hat der Rat der Kinderärztin oder des Kinderarztes Vorrang vor jeder Tabelle.
Häufige Fragen
Wie viel Koffein darf ein zehnjähriges Kind am Tag zu sich nehmen?
Das hängt vom Gewicht ab, nicht vom Alter. Bei 3 mg pro kg und Tag sind es für ein Kind mit 32 kg höchstens 96 mg aus allen Quellen, kaum mehr als eine Tasse Filterkaffee mit 200 ml (90 mg). Eine Cola mit 330 ml (35 mg) und ein Kakao verbrauchen schon einen großen Teil davon.
Darf ein Jugendlicher Kaffee trinken?
Der EFSA-Richtwert gilt: bei 50 kg sind es 150 mg am Tag. Eine Tasse Filterkaffee mit 200 ml (90 mg) passt, zwei (180 mg) überschreiten ihn. Cola, Tee und Schokolade zählen mit, und am späten Nachmittag verzichtet man besser ganz auf Koffein, um den Schlaf zu schützen.
Sind Energydrinks für unter 18-Jährige in Europa verboten?
Nur in einzelnen Ländern. Ein Papier des Europäischen Parlaments von 2025 nennt unter anderem Litauen, Lettland, Ungarn und Bulgarien. In der EU gilt zudem der Warnhinweis ab 150 mg Koffein pro Liter. Wer sicher gehen will, prüft die aktuelle Rechtslage im eigenen Land.
Gilt der Wert von 3 mg/kg für eine Portion oder für den ganzen Tag?
Die EFSA formuliert ihn pro Tag bei gewohnheitsmäßigem Verzehr. Das BfR ergänzt, dass er für eine einzelne Portion ebenso gelesen werden kann. Das Budget also nicht in einem Getränk ausschöpfen, schon gar nicht kurz vor dem Schlafengehen.
Quellen
- EFSA, Scientific Opinion on the safety of caffeine, EFSA Journal 2015;13(5):4102
- EFSA, Themenseite Koffein
- BfR, häufig gestellte Fragen zu Koffein und Energydrinks
- American Academy of Pediatrics, Sports Drinks and Energy Drinks for Children and Adolescents: Are They Appropriate? (Pediatrics, 2011)
- Anses, Energydrinks: Warnung vor riskanten Konsummustern (2013)
- Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang III Nr. 4
- Europäisches Parlament (EPRS), Energy drinks consumption in minors: EU and national rules (2025)
Hinweis. Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen zu Koffein und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Kindern mit Vorerkrankungen, regelmäßiger Medikamenteneinnahme oder starker Koffeinempfindlichkeit wenden Sie sich bitte an eine Kinderärztin, einen Kinderarzt oder Ihre Hausarztpraxis.