Was ist die SL-34-Varietät?
SL-34 ist neben SL-28 die zweite große Scott-Labs-Selektion aus den 1930er Jahren. Genetisch näher an Französischer Mission (Bourbon-Linie) als SL-28, mit etwas weniger ausgeprägter Säure aber besserem Ertrag und etwas höherer Krankheitstoleranz. Cupping-Niveau 84–88 Punkte. Wird in Kenia oft mit SL-28 in den gleichen Lots gemischt — das Gemisch ist die Signatur der kenianischen Spitzenkooperativen.
Die Selektion erfolgte parallel zu SL-28 zwischen 1935 und 1939 von den Scott Agricultural Laboratories in Kenia. SL-34 stammt aus dem »Loresho«-Stamm — französische Mission, eine alte Bourbon-Linie, die über die katholische Mission im 19. Jahrhundert nach Ostafrika gelangte. Die Sorte ist morphologisch der SL-28 ähnlich, aber etwas robuster gegen Coffee Berry Disease (CBD) und etwas ertragsstärker (0,8–1,2 t/ha gegen 0,6–1,0 für SL-28).
Sensorisch liefert SL-34 ein etwas weicheres Profil als SL-28: weniger spitze Apfelsäure, mehr Karamell-Süße, immer noch erkennbar kenianisch (Schwarzjohannisbeere, Tomatenstängel). Im Cupping ist SL-34 oft 1–2 Punkte unter SL-28, aber die Sorte ist konstanter und produktiver. Kenianische Cooperativen pflanzen häufig 60 % SL-28 und 40 % SL-34 — das Gemisch bringt Aromen-Top und Ertrag-Konstanz zusammen.
Praktisch unterscheidet ein erfahrener Q-Grader SL-28 und SL-34 in der Cupping-Tasse: SL-28 hat schärferen, »weinigeren« Charakter, SL-34 etwas runder und süßer. Beide werden seit den 2000er Jahren auch außerhalb Kenias gepflanzt: Kolumbien (Tolima, Quindío), Honduras, Costa Rica. Die kenianische Original-Signatur (durch Vulkanboden + Höhenlage) bleibt allerdings unerreicht.
SL-28 vs. SL-34 — der kenianische Vergleich
| Kriterium | SL-28 | SL-34 |
|---|---|---|
| Genetische Linie | Tansanisches Bourbon | Französische Mission (Loresho) |
| Säure | Sehr hoch, weinig | Hoch, runder |
| Süße | Mittel-hoch | Hoch (mehr Karamell) |
| Ertrag | 0,6–1,0 t/ha | 0,8–1,2 t/ha |
| CBD-Resistenz | Niedrig | Mittel |
| Cupping typisch | 86–90 | 84–88 |