Mazagran zubereiten: gesüßter Eiskaffee mit Zitrone, Rum oder Maraschino
Mazagran bezeichnet ein kalt getrunkenes, gesüßtes Kaffeegetränk. In der Variante, die auf Algerien zurückgeführt wird, ist es mit Wasser verlängert und mit Zitrone abgeschmeckt; in Österreich gehören Eis und ein Schuss Rum, Cognac oder Maraschino dazu. Der Name stammt vom algerischen Ort Mazagran, wo im Februar 1840 eine französische Besatzung eine Belagerung überstand. Wie das Getränk selbst entstand, ist nicht belegt.
- Grundrezept: ein doppelter Espresso (etwa 60 ml), 50 ml kaltes Wasser, 15 ml Zitronensaft, 4 bis 5 Eiswürfel
- Den Zucker im noch heißen Kaffee auflösen, nicht im kalten
- Dauer: rund 10 Minuten einschließlich Abkühlen
- Österreichische Variante: Eis und Rum oder Maraschino, ohne Zitrone
- Herkunft des Namens: Mazagran in Algerien, Belagerung im Februar 1840; die Erzählungen weichen voneinander ab
- Im Französischen ist Mazagran auch ein henkelloses Fußgefäß für Kaffee
Was ist ein Mazagran, und worin unterscheidet er sich vom Eiskaffee?
Das Lebensmittellexikon beschreibt den Mazagran als österreichische, kalt getrunkene Kaffeespezialität. Anders als beim klassischen Eiskaffee mit Sahne oder Milch kommt hier Alkohol ins Glas: gesüßter, abgekühlter schwarzer Filterkaffee, Eiswürfel und 10 bis 20 ml Cognac oder Maraschino. Daneben kennt die Kaffeewelt eine alkoholfreie, auf Algerien zurückgeführte Fassung, in der der Kaffee mit Wasser verlängert und mit Zitrone verfeinert wird. Beide tragen denselben Namen und haben nur den kalten schwarzen Kaffee gemeinsam.
Im Französischen steht Mazagran außerdem für ein henkelloses Gefäß auf einem Fuß, meist aus Steingut oder Porzellan. Nach der französischen Wikipedia war aber das Getränk zuerst da: Frühe Presseerwähnungen aus den 1860er-Jahren beschreiben kalten Kaffee mit Sodawasser, das Gefäß erhielt den Namen erst später.
Woher stammt der Name Mazagran?
Mazagran ist ein Ort in der algerischen Provinz Mostaganem. Die häufigste Erzählung beginnt im Februar 1840: 123 französische Leichte Infanteristen unter Hauptmann Lelièvre hielten dort mehrere Tage lang ein kleines Fort gegen eine zahlenmäßig weit überlegene algerische Streitmacht. Nach der Überlieferung musste die Besatzung wegen knapper Vorräte auf ihren starken, mit Branntwein versetzten Kaffee verzichten und trank ihn mit Wasser gestreckt. Aus der Wendung „café comme à Mazagran“ sei später das Wort Mazagran geworden.
Andere Darstellungen weichen ab. Eine davon verbindet den Namen mit der Festung von Mazagran bei Mostaganem, die 1837 durch den Vertrag von der Tafna an Frankreich fiel, ohne Belagerung oder Rationierung. Eine weitere berichtet lediglich, französische Truppen in der Stadt hätten in den 1840er-Jahren verdünnten Kaffee kalt getrunken, um die Hitze zu ertragen. Keine der von uns geprüften Quellen zitiert ein zeitgenössisches Zeugnis über diesen Kaffee. Die Belagerungsgeschichte gilt deshalb hier als Überlieferung, nicht als gesichertes Faktum.
Gesichert sind zwei Dinge: die Belagerung vom Februar 1840 als dokumentiertes Kriegsereignis und die Verbreitung des Wortes im Kaffeevokabular des 19. Jahrhunderts. Alles Weitere, auch die Bezeichnung als „erster Eiskaffee“, gehört zur Erzählung.
Welche Zutaten und welche Schritte braucht ein Mazagran?
Die Mengen füllen ein hohes Glas von etwa 250 ml. Es sind Arbeitsproportionen, die sich anpassen lassen, denn die veröffentlichten Rezepte gehen weit auseinander; eine verbindliche Standardfassung gibt es nicht.
- 2 Espressi (etwa 60 ml, ein Doppelter), frisch gezogen
- 1 bis 2 Teelöffel Zucker (5 bis 10 g), nach Geschmack
- 50 ml kaltes Wasser
- 15 ml frischer Zitronensaft (ein Esslöffel), dazu eine Scheibe oder ein Streifen Schale
- 4 bis 5 Eiswürfel
- Optional für die österreichische Art: 1 bis 2 cl Rum, Cognac oder Maraschino (alkoholhaltig, nur für Erwachsene)
Der Ablauf ist kürzer als beim Freddo, weil weder Shaker noch Schaum nötig sind. Auf die Reihenfolge und die Temperatur kommt es an.
- Glas mit Eis füllen. Vier bis fünf Eiswürfel in ein hohes, schmales Glas geben. Die Zitrone erst kurz vor dem Gebrauch auspressen.
- Doppelten Espresso ziehen. Rund 60 ml Espresso in 25 bis 30 Sekunden extrahieren. Kräftiger Mokka aus der Espressokanne oder konzentrierter Filterkaffee geht ebenfalls.
- Heißen Kaffee süßen. Einen bis zwei Teelöffel Zucker (5 bis 10 g) im heißen Kaffee verrühren. Kalt löst sich Zucker kaum noch auf und sinkt zu Boden.
- Mit kaltem Wasser verlängern. 50 ml kaltes Wasser zugeben und umrühren. So wird der Kaffee milder, und das Eis schmilzt langsamer.
- Über das Eis gießen und Zitrone zugeben. Die Mischung auf die Eiswürfel gießen, nicht auf das trockene Glas, dann 15 ml frischen Zitronensaft zufügen und einmal umrühren. Bei Bedarf in 5-ml-Schritten nachjustieren.
- Garnieren und sofort servieren. Eine Zitronenscheibe oder einen Streifen Schale ins Glas geben, Strohhalm dazu, gleich trinken. Für die Wiener Art stattdessen 1 bis 2 cl Maraschino unterrühren und die Zitrone weglassen.
Wie unterscheidet sich die österreichische Fassung?
In Österreich wird der Mazagran trocken und erwachsen serviert: ein Eiswürfel, Rum oder Maraschino, in einem Zug getrunken. So beschreibt es die englischsprachige Wikipedia, während das Lebensmittellexikon die Zutaten genauer fasst: gesüßter, erkalteter schwarzer Kaffee, Eis, 10 bis 20 ml Cognac oder Maraschino. Zitrone kommt in dieser Fassung nicht vor. Wer es ausprobieren will, ersetzt im Grundrezept die Zitrone durch 1 bis 2 cl Maraschino, verwendet weniger Wasser und serviert in einem kleinen Glas. Zur Wiener Kaffeehauskultur passt auch der Einspänner, der freilich warm bleibt und mit Schlagobers statt Alkohol lebt.
Portugal kennt den Mazagran unter dem Namen mazagrã: Espresso auf Eis mit Zitrone, mal mit Minze, mal mit Rum. In Katalonien und Valencia heißt das verwandte Getränk café del temps oder café del tiempo und kombiniert Kaffee, Eis und Zitronenschale. Eine Fußnote aus der Wirtschaft: 1994 entwickelten Starbucks und PepsiCo ein kohlensäurehaltiges Kaffeegetränk namens Mazagran, das mangels Nachfrage wieder eingestellt wurde.
Welcher Kaffee und welches Glas passen zum Mazagran?
Der Kaffee muss konzentriert sein, weil Eis und Wasser ihn verdünnen. Eine mittlere bis dunkle Espressoröstung trägt die Zitrone besser als ein sehr heller, ohnehin lebhafter Kaffee, der leicht ins Scharfe kippt. Das ist eine Geschmacksempfehlung, keine Regel; bei fruchtigen Bohnen genügen 10 ml Zitronensaft. Ist ein Kaffee schon im Ausgangszustand zu bitter oder zu sauer, hilft auch Eis nicht. Unsere Ratgeber zu zu bitterem Kaffee und zu zu saurem Kaffee zeigen, wie sich die Extraktion korrigieren lässt, bevor man abkühlt. Auch das Wasser zählt, denn es macht gut die Hälfte der Flüssigkeit aus.
Als Glas eignet sich ein hohes, schmales Modell. Gießen Sie den heißen Kaffee über das Eis statt auf das trockene, kalte Glas; so kühlt er sofort ab, und das Glas wird geschont. Wer weitere kalte Kaffeegetränke sucht, findet sie im Freddo Espresso, im Ratgeber Iced Espresso zu Hause, im Espresso Tonic und im Vergleich Cold Brew und Iced Coffee.
Welche Fehler verderben einen Mazagran?
Vier Stolperstellen kehren immer wieder, und alle lassen sich mit der richtigen Reihenfolge vermeiden.
- Zucker zum Schluss. Er sinkt zu Boden. Im heißen Kaffee auflösen.
- Zu schwacher Kaffee. Nach Wasser und Eis bleibt kaum Geschmack. Doppelten Espresso verwenden.
- Zu viel Zitrone. Mehr als 20 ml pro Glas übertönt den Kaffee, statt ihn zu beleben.
- Kleine, nasse Eiswürfel. Sie schmelzen rasch und wässern das Getränk aus. Dicke Würfel nehmen.
Häufige Fragen zum Mazagran
Was ist der Unterschied zwischen Mazagran und Eiskaffee?
Beim klassischen Eiskaffee kommen Milch, Sahne oder Eiscreme ins Glas. Der Mazagran besteht aus gesüßtem schwarzem Kaffee mit Eis und entweder Wasser und Zitrone oder, in Österreich, Cognac, Rum oder Maraschino.
Enthält ein Mazagran Alkohol?
In der österreichischen Fassung ja, meist 10 bis 20 ml Cognac oder Maraschino. Das Grundrezept dieses Ratgebers mit Wasser und Zitrone ist alkoholfrei.
Kann ich Filterkaffee oder Cold Brew verwenden?
Ja, wenn der Kaffee konzentriert ist. Bei Cold Brew den Zucker durch etwas Zuckersirup ersetzen, der sich kalt verrührt, und weniger Wasser zugeben.
Warum soll der Zucker in den heißen Kaffee?
Zucker löst sich in heißer Flüssigkeit schnell und gleichmäßig. In kaltem Kaffee bleibt er teilweise ungelöst am Glasboden liegen und das Getränk schmeckt ungleichmäßig süß.
Quellen
Herkunft, Chronologie und Varianten anhand der folgenden Quellen geprüft (abgerufen am 5. Oktober 2026):
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