Was ist experimentelle Kaffee-Fermentation?
Experimentelle Kaffee-Fermentation bildet seit etwa 2015 die Forschungsfront der Aufbereitung. Sie umfasst anaerobe Fermentation, die Co-Inokulation mit spezifischen Hefen oder Bakterien, kontrollierte Temperatur- und pH-Profile, die Carbonic Maceration aus der Weinbereitung sowie das Mossto-Verfahren. Zu den Pionieren zählen Diego Bermudez in Kolumbien, Sasa Sestic in Australien und Jamison Savage in Panama. Diese Verfahren erzeugen Cup-Profile mit oft revolutionären Aromen.
Die klassische Kaffee-Fermentation läuft offen bei Umgebungstemperatur ab und stützt sich auf lokale Hefen und Bakterien. Die experimentelle Fermentation kontrolliert dagegen jeden Parameter: Sie steuert die Temperatur (15 bis 25 °C), den pH-Verlauf, die O2- oder CO2-Atmosphäre sowie die eingesetzten Mikroorganismen, etwa Hefen der Gattung Saccharomyces oder Bakterien der Gattung Lactobacillus. Diese Kontrolle ermöglicht reproduzierbare Aromen-Architekturen, die in der Vergangenheit dem Zufall überlassen waren.
Mehrere Methoden prägen dieses Feld. Bei der anaeroben Fermentation reifen die Kirschen über 24 bis 168 Stunden in geschlossenen Tanks unter CO2 oder N2. Die Co-Inokulation fügt der Masse gezielt ausgewählte Hefen oder Bakterien hinzu. Die Carbonic Maceration, eine aus dem Beaujolais entlehnte Wein-Methode, lässt ganze Kirschen in einer CO2-Atmosphäre gären. Das Mossto-Verfahren aus Costa Rica recycelt die Wein-Pulpe des Vorlaufs. Der Thermoshock setzt die Kirschen während der Fermentation abrupten Temperatur-Wechseln aus. Der Lactic Process schließlich impft die Masse mit Lactobacillus und erzeugt so Joghurt-Noten.
Einige Pioniere prägen die Bewegung. Diego Bermudez aus Tolima in Kolumbien erreicht mit seinem »Wush Wush Anaerobic«-Verfahren Cup-Werte von über 90 Punkten. Sasa Sestic von Project Origin arbeitet in Australien und Panama seit 2015 am »Anaerobic Natural«. Jamison Savage entwickelt auf der Hacienda La Esmeralda in Panama seine Geisha-Anaerobic-Variationen. Auerasian aus Costa Rica gilt als Wegbereiter des Mossto-Verfahrens. Diese Innovationen prägen die Cup-of-Excellence-Sieger der letzten fünf Jahre.
Experimentelle Fermentations-Methoden
| Methode | Ursprung | Aromen-Effekt |
|---|---|---|
| Anaerobic | Diego Bermudez Kolumbien | Beere, Wein, Likör |
| Carbonic Maceration | Sasa Sestic Australien | Tropische Frucht intensiv |
| Co-Inokulation Hefen | WCR-Forschung | Kontrollierte Aromen-Profile |
| Mossto | Auerasian Costa Rica | Cognac, Schokolade-Likör |
| Lactic Process | Verschiedene Pioniere | Joghurt, Käse, Funky |
Wie entsteht aus kontrollierter Fermentation neue Aromenkomplexität?
Experimentelle Kaffee-Fermentation bildet seit etwa 2015 die Forschungsfront der Aufbereitung. Sie umfasst anaerobe Fermentation, die Co-Inokulation mit spezifischen Hefen oder Bakterien, kontrollierte Temperatur- und pH-Profile, die Carbonic Maceration aus der Weinbereitung sowie das Mossto-Verfahren. Zu den Pionieren zählen Diego Bermudez in Kolumbien, Sasa Sestic in Australien und Jamison Savage in Panama. Diese Verfahren erzeugen Cup-Profile mit oft revolutionären Aromen.
Experimentelle Kaffee-Fermentation (auch 'exotic' oder 'enhanced fermentation') geht über traditionelle Washed und Natural Prozesse hinaus. Anaerobe Fermentation (AFS, Anaerobic Fermentation Stage): Kaffeekirschen werden in luftdichten Tanks mit Stickstoff gespült und fermentiert, ohne Sauerstoff entstehen andere Fermentations-Wege und ungewöhnliche organische Säuren und Ester. Ergebnis: intensive, weinige, tropisch-fruchtige Profile, manchmal fermentierten Alkohol-Noten ähnlich.
Weitere experimentelle Methoden: Co-Fermentation (Kaffeekirschen mit Fruchtsäften, Wein, Rum fermentiert, der Einsatz von 'Zusatzstoffen' ist SCA-kontroversiell). Carbonic Maceration (aus Weinbau übernommen: Beerenfermentation in CO₂-Atmosphäre). Lactic Acid Fermentation (LAF: Milchsäure-dominierende Kulturen erzeugen yoghurt-ähnliche, cremige Noten). Extended Fermentation (72h-120h vs. 24-36h Standard): intensivere Aromen-Entwicklung, höheres Risiko von Defekten.
Wie erkennst du gelungene experimentelle Fermentationen und probierst sie sinnvoll aus?
Felix Brandts Bewertung: Experimentelle Fermentation hat die Aromen-Vielfalt des Kaffees revolutioniert, Profile wie 'tropische Früchte', 'Passionsfrucht', 'Rum-Rosine', die vorher unbekannt waren, sind nun zugänglich. Aber nicht alle Experimente sind qualitativ: manche 'exotic fermentation' Kaffees haben artificielle, überwältigende Aromen die vom Terroir der Bohne ablenken. Für neugierige Trinker: experimentell fermentierte Kaffees von vertrauenswürdigen belgischen Röstereien ausprobieren (Caffènation, Mok). Für Kaffee-Enthusiasten: Side-by-side-Vergleich Washed vs. Natural vs. Anaerobic der gleichen Bohne aus gleicher Farm ist ein Augenöffner.