Excelsa, Liberica und der Libex-Hybrid: klimaresistenter Kaffee erklärt
Kurz zusammengefasst: Die zentrale Frage lautet: Welche Kaffeearten überstehen das Klima von 2050? Arabica und Robusta decken rund 99% der Weltproduktion ab, doch 2025 teilte eine genetische Studie die Restkategorie Liberica in drei Arten. 2026 beschrieben Forscher der Royal Botanic Gardens, Kew, einen natürlichen Hybrid namens Libex, den Bauern jahrelang unwissentlich anbauten. Dieser Beitrag ordnet die Fakten Schritt für Schritt ein.
Beginnen wir mit der eigentlichen Frage: Was passiert mit unserem Kaffee, wenn die klassischen Anbaugebiete zu heiss und zu trocken werden? Die Antwort, die sich 2026 abzeichnet, liegt nicht beim Arabica, sondern bei zwei lange ignorierten Arten und einem Hybrid, der niemandem aufgefallen war.
Erstens: vier Arten statt zwei
Im Handel kennt man Arabica und Robusta. Das ist mengenmässig korrekt: Arabica liegt bei rund 60 bis 70%, Robusta zwischen 30 und 40%, zusammen also etwa 99% der Welternte. Der Rest, deutlich unter 2%, entfällt auf Liberica und Excelsa, lange als Kuriositäten abgetan. Genau hier setzt die neue Forschung an.
2025 zeigte ein Team um Aaron Davis von den Royal Botanic Gardens, Kew, in Nature Plants, dass das Sammeletikett Liberica in Wahrheit drei eigenständige Arten umfasst: Coffea liberica, Coffea dewevrei (der Excelsa) und Coffea klainei. Grundlage waren 353 Kerngene über 55 Akzessionen. Die Zahl der anerkannten Kaffeearten stieg damit auf 133. Eine taxonomische Korrektur, die unmittelbar praktische Folgen hat.
Zweitens: warum Excelsa plötzlich zählt
Der Excelsa, nun Coffea dewevrei, stammt aus Zentralafrika und wächst nicht als Strauch, sondern als Baum, mit tiefen Wurzeln und grossen Blättern. Diese Merkmale erklären seine Toleranz gegenüber Hitze, unregelmässigem Regen und Trockenheit. Die Studie von 2025 beschreibt ihn als trockenheitstoleranter und für geringere Niederschläge geeignet als Liberica.
Für die deutschsprachige Spezialitätenszene, die Herkunft und Verarbeitung längst genau liest, ist das mehr als Botanik. Wo der anspruchsvolle Arabica kapituliert, kann Excelsa noch gedeihen. Anders gesagt: Die Art erweitert die klimatische Hülle des Kaffeeanbaus, und das in einem Moment, in dem die Branche händeringend nach Optionen sucht.
Drittens: wie schmeckt das in der Tasse?
Man könnte annehmen, eine zähe Überlebenskünstlerin schmecke fade. Das Gegenteil ist der Fall. Röster, die mit Excelsa arbeiten, beschreiben eine helle, vielschichtige Säure, Noten von Steinobst und dunklen Beeren, einen Hauch Tamarinde und mitunter einen weinartigen Charakter, getragen von einer tiefen Süsse und einem langen, strukturierten Abgang. Häufig fällt der Vergleich mit einem Wettbewerbskaffee.
Aus dieser Wahrnehmung wird langsam Handel. Die South India Coffee Company stellte Excelsa bereits 2018 britischen Spezialitätenröstern als klimaresistenten Kaffee vor. Nach Angaben des Unternehmens verkaufte es 2025 mehr als vier Tonnen Rohkaffee und rechnet 2026 mit bis zu fünf Tonnen, bei Nachfragen für über 4.000 Setzlinge. Im Weltmassstab winzig, in der Tendenz eindeutig.
Viertens: der Hybrid, der unbemerkt blieb
Der spannendste Befund kam 2026. In Scientific Reports schlug das Kew-Team um Aaron Davis den formalen Namen Coffea x libex für natürliche Kreuzungen aus Liberica und Excelsa vor. Die Zahlen überraschten: Von 45 als Liberica etikettierten Akzessionen aus Sarawak in Malaysia trugen 40 messbare Excelsa-Anteile, 28 davon über 12%. Nur fünf waren reiner Liberica. Bauern bauten den Hybrid also seit Jahren an, auch in Teilen Südostasiens, Indiens und Mittelamerikas, ohne es zu wissen.
Die agronomischen Argumente sind stark: Libex liefert höhere Erträge als Liberica, seine dünne Pulpe und Pergamenthaut erleichtern die Aufbereitung, und die Bohnengrösse liegt nahe am Arabica, sodass Röst- und Mahleinstellungen kaum angepasst werden müssen. Laut den Forschern könnte er die Anbauzone erweitern und Krankheitsresistenz übertragen, ohne ein langwieriges Zuchtprogramm, denn die Natur hat das Experiment bereits durchgeführt.
Fazit für den Kaffeetrinker
Realistisch betrachtet füllt weder Excelsa noch Libex morgen Ihre Tasse. Die Mengen bleiben klein, und Spezialität bewegt sich in Mikrolots, bevor irgendetwas skaliert. Doch die Richtung ist klar: Neben der Verbesserung des empfindlichen Arabica öffnet sich eine vierte Linie, gestützt auf robuste und geschmacklich überzeugende Arten, die die Industrie zu lange übersah. Wer das nächste Mal einen Excelsa auf der Karte sieht, sollte zugreifen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Liberica und Excelsa?
Liberica (Coffea liberica) und Excelsa (Coffea dewevrei) gelten heute als zwei eigenständige Arten, nachdem Excelsa lange nur als Varietät von Liberica eingestuft war. Eine Studie von 2025 in Nature Plants unter Leitung von Aaron Davis von den Royal Botanic Gardens, Kew, nutzte 353 Kerngene über 55 Akzessionen, bestätigte die Trennung und stellte eine dritte Art wieder her, Coffea klainei. Excelsa gilt als trockenheitstoleranter und für geringere Niederschläge geeignet als Liberica.
Was ist Libex-Kaffee?
Libex ist ein natürlicher Hybrid aus Liberica und Excelsa, dem Forscher der Royal Botanic Gardens, Kew, 2026 in der Zeitschrift Scientific Reports den formalen Namen Coffea x libex gaben. Bauern in Sarawak in Malaysia sowie in Teilen Südostasiens, Indiens und Mittelamerikas bauten ihn jahrelang an, ohne ihn als solchen zu erkennen. Er liefert höhere Erträge als Liberica, hat dünne Pulpe und Pergamenthaut und eine Bohnengrösse nahe am Arabica.
Kann man Excelsa-Kaffee schon kaufen?
Excelsa bleibt eine Nische: zusammen mit Liberica macht er weniger als 2% der Weltproduktion aus, Excelsa allein unter 1%. Man findet ihn vor allem bei Spezialitätenröstern, die experimentelle Lots einkaufen, meist aus Südostasien oder Indien. Beim Kauf gilt: auf das Etikett achten und Art sowie Herkunft prüfen, statt sich auf eine vage Beschreibung zu verlassen.
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Wer Arten, Varietäten und Terroirs hinter der Tasse besser verstehen will, findet im Glossar und in den Kaufratgebern von expertcafe.be vertiefende Einträge, ebenso in unseren häufigen Fragen zu Herkunft und Kaffeegenetik. Dieser Beitrag ergänzt unser Stück über F1-Hybride und klimafitten Arabica.