Röstung und Frische

Unterschied French Roast vs. Italian Roast?

French Roast (Agtron 30 bis 40) ist sehr dunkel, deutlich ölig und fast schwarz, mit Aromen von Asche, Tabak und verbranntem dunklem Karamell. Italian Roast (Agtron 25 bis 35) ist noch dunkler, extrem ölig und schwarz, mit extrem ausgeprägter Pyrolyse und einem verbrannten Eindruck. Beide gehören zur Dark Roast, wobei Italian eine Stufe dunkler liegt. Der Specialty-Sektor vermeidet beide, weil sie klassisch für industriellen Espresso und nicht für Specialty stehen.

Bei der Röst-Mechanik wird French Roast kurz nach Beginn des Second Crack gestoppt, bei etwa 225 °C interner Bohnentemperatur. Italian Roast wird dagegen mitten im oder am Ende des Second Crack gestoppt, bei etwa 230 bis 235 °C. Beide sind extreme Varianten der Dark Roast, in denen überwiegend Pyrolyse-Aromen entstehen.

Auch sensorisch unterscheiden sich beide deutlich. French Roast bewahrt noch leichte Schokoladen- und Karamell-Hinweise, weil die Maillard-Aromen teilweise erhalten bleiben. Italian Roast schmeckt dagegen fast rein verbrannt, denn die Maillard-Aromen sind weitgehend zerstört und die Pyrolyse-Aromen dominieren vollständig. Beide weisen eine sehr niedrige Säure auf, da die organischen Säuren zerstört sind, sowie eine sehr hohe Bitterkeit durch Phenylindane und einen vollen, öligen Körper.

Bei der Verwendung war French Roast historisch in der französischen Tradition beliebt, in der »café noir« klassisch dunkel ausfiel; heute findet man ihn eher in nordamerikanischen Spezialitäten-Coffee-Shops, wo der »French Roast Blend« eine Standard-Option ist. Italian Roast steht klassisch für die italienische Espresso-Tradition, etwa beim Lavazza- oder Illy-Standard. Jeder dieser Röstgrade hat seine Tradition und seine Anhänger, doch der Specialty-Sektor mit seinem Fokus auf Herkunftserhaltung und Aromenvielfalt vermeidet beide. Belgische Specialty-Konsumenten verlassen die French- und Italian-Roast-Welt meist zugunsten von Light- und Medium-Roasts.

French vs. Italian Roast

IndikatorFrench RoastItalian Roast
Agtron30-4025-35
Drop-PunktBeginn Second CrackMitte/Ende Second Crack
BohnenoberflächeDeutlich öligExtrem ölig
AromenAsche, dunkler Karamell verbranntPyrolyse, »verbrannt«
SäureSehr niedrigPraktisch null
TraditionFranzösisch, USA-»French Roast«Italienisch (Lavazza, Illy)

Wie definiert sich French Roast und welches Geschmacksprofil hat er?

French Roast (Agtron 30 bis 40) ist sehr dunkel, deutlich ölig und fast schwarz, mit Aromen von Asche, Tabak und verbranntem dunklem Karamell. Italian Roast (Agtron 25 bis 35) ist noch dunkler, extrem ölig und schwarz, mit extrem ausgeprägter Pyrolyse und einem verbrannten Eindruck. Beide gehören zur Dark Roast, wobei Italian eine Stufe dunkler liegt; der Specialty-Sektor vermeidet beide, weil sie klassisch für industriellen Espresso stehen.

French Roast bezeichnet eine sehr dunkle Röstung, die typischerweise nach dem Second Crack durchgeführt wird, mit Bohnenkerntemperaturen von 225 bis 230 °C. Die Bohnen sind dunkelbraun bis fast schwarz und auf der Oberfläche ölig. Das Aromaprofil ist intensiv rauchig und bittersüß, mit dunkler Schokolade und manchmal einem Holzkohle-Ton. French Roast überdeckt den Herkunftscharakter vollständig, sodass alle French Roast Kaffees ähnlich schmecken, unabhängig vom Ursprung. Der Begriff ›French‹ ist irreführend, denn in Frankreich trinkt man nicht unbedingt so dunklen Kaffee.

Was kennzeichnet Italian Roast und worin liegt sein Unterschied zum French Roast?

Italian Roast ist noch dunkler als French Roast: Die Bohnen erreichen nahezu 240 °C, sodass die Zellulosestruktur fast vollständig pyrolysiert. Die Bohnen sind fast schwarz, stark ölig und sehr spröde. Im Aromaprofil dominieren Bitterkeit, Rauch, Asche und ein intensiver Körper. Das Koffein ist durch die Pyrolyse leicht reduziert. Italian Roast wird in Süditalien traditionell für Espresso verwendet, denn die bittere Intensität übersteht die Verdünnung mit heißem Wasser und Milch. Im modernen Specialty-Segment spielt Italian Roast nur eine marginale Rolle.

Woher stammt die Unterscheidung zwischen French und Italian Roast historisch?

Die Unterscheidung zwischen French und Italian Roast stammt aus der amerikanischen Kaffeeindustrie des 20. Jahrhunderts, die europäische Röststile nachahmen wollte, allerdings mit wenig historischer Genauigkeit. In Frankreich wird traditionell eher mitteldunkler Kaffee geröstet, während es in Italien enorme regionale Unterschiede gibt, von hell (Norditalien, Turin) bis sehr dunkel (Neapel). Die Begriffe French und Italian sind daher kulturell unscharf, aber weit verbreitet.

Wie erkennt ein Barista den Unterschied zwischen French und Italian Roast in der Tasse?

Der praktische Unterschied liegt in der Süße: French Roast hat noch erkennbare Süße (dunkle Schokolade, Karamell-Bitterkeit), während Italian Roast jenseits der Süßeschwelle liegt und reine Bitterkeit mit Rauch zeigt. Ein Barista erkennt den Unterschied sofort, denn die French Roast Crema ist dunkelbraun bis braun-schwarz, während die Italian Roast Crema sehr dunkel und weniger stabil ist. Beide Röstgrade haben bei Verwendung von Specialty-Rohkaffee deutlich mehr Nuancen als bei schlechter Rohware.

Wie verbreitet sind French und Italian Roast auf dem belgischen Markt?

In Belgien sind French und Italian Roast im Massenmarkt (Supermarkt, institutionelle Gastronomie) verbreitet, im Specialty-Segment dagegen selten. Belgische Specialty-Röster produzieren auf ausdrücklichen Kundenwunsch gelegentlich sehr dunkle Profile, kommunizieren aber den Qualitätsverlust beim Rohkaffeecharakter offen. Für Konsumenten, die vom dunklen Röststil in Richtung Specialty wechseln, empfehlen Röster wie OR Coffee einen schrittweisen Übergang über den Medium-Dark Roast.

Welche Gesundheitsaspekte sind bei French und Italian Roast zu beachten?

Sehr dunkle Röstungen wie French und Italian enthalten mehr Acrylamid als helle Röstungen, einen Stoff, der in erhitzten stärkehaltigen Lebensmitteln entsteht und in hohen Mengen gesundheitsschädlich ist. Die Mengen in Kaffee sind jedoch sehr gering und bei normalem Konsum von 2 bis 4 Tassen täglich unbedenklich. Antioxidantien wie Chlorogensäure sind in hellen Röstungen höher als in dunklen. Für gesundheitsbewusste Verbraucher spricht das für helle bis mittlere Röstungen, doch die Unterschiede bleiben bei normalem Konsum marginal.

Wie stellt man die Espresso-Maschine auf French und Italian Roast ein?

Sehr dunkle Röstungen erfordern Anpassungen an der Espresso-Maschine. Wegen ihrer offeneren Zellstruktur und höheren Öligkeit extrahieren sie schneller und neigen bei Standard-Parametern zur Over-Extraction. Empfehlenswert sind ein gröberer Mahlgrad, eine kürzere Bezugszeit von 20 bis 24 Sekunden und eventuell eine niedrigere Brühtemperatur von 90 bis 92 °C. Der Filterhalter sollte täglich gereinigt werden, denn die Öle dunkler Röstungen verschmutzen den Filter schneller und erzeugen bei Vernachlässigung Ranzigkeit.

Sind French und Italian Roast Qualitätsbezeichnungen oder reine Röstgrade?

French und Italian Roast sind keine Qualitätsbezeichnungen, sondern Röstgradbeschreibungen. Qualität entsteht aus der Rohkaffeequalität, und das gilt auch bei sehr dunklen Röstungen. Wer dunklen Kaffee schätzt und Specialty erkunden möchte, sollte dunkle Profile von Specialty-Röstern mit hochwertigem Rohkaffee probieren. Der Unterschied zu Supermarkt-Dunkelröstungen ist erheblich. Belgische Röstereien, die dunkle Lots anbieten, tun dies mit qualitätsgerechten Rohkaffees, ein Versprechen, das Supermarktprodukte nicht halten können.