Specialty vs. kommerziell: Was dein Kaffeeetikett nicht sagt

Von Felix Brandt · Veröffentlicht 28. April 2026 · Qualität und Einkauf · Lesezeit: ca. 6 Min.

Kurz zusammengefasst: "Specialty Coffee" ist per SCA-Definition Kaffee, der bei einem standardisierten Cupping 80 oder mehr von 100 Punkten erzielt. Aber das Label "Specialty" ist rechtlich nicht geschützt — jeder Hersteller kann es verwenden. Echten Specialty erkennt man an: Farmname oder Kooperative, Erntejahr, Aufbereitungsmethode und einem Röster, der diese Informationen aktiv kommuniziert.

Ein Etikett mit "Single Origin Ethiopian Specialty Coffee" und einem Farmhoto kostet in einem belgischen Supermarkt 12€ pro 250g. Ein Kaffee mit denselben Angaben in einem Specialty-Café kostet 18€. Welcher ist besser? Die Frage ist nicht trivial — und die Antwort liegt nicht im Preis.

Was "Specialty" technisch bedeutet

Die Specialty Coffee Association definiert Specialty Coffee als Rohkaffee, der nach dem SCA-Cupping-Protokoll 80 Punkte oder mehr auf einer 100-Punkte-Skala erzielt. Das schließt Defekte aus, bewertet Sauberkeit, Süße, Säure, Körper, Abgang und Gesamteindruck. Ein Kaffee unter 80 Punkten ist "commercial grade" — selbst wenn er "Specialty" auf der Verpackung trägt.

Die Punkteskala — 80–84: Good (solide Specialty), 85–89: Great (exzellent), 90+: Outstanding (selten, Auktionsniveau). Kommerzieller Kaffee: unter 80. Industriekaffee: unter 60. Die meisten Supermarkt-"Specialty"-Kaffees wurden nie gecuttet.

Fünf Zeichen für echten Specialty

1. Farmname oder Kooperative: Nicht nur "Äthiopien" — sondern "Yirgacheffe, Kochere Washing Station, Lot 4."

2. Erntejahr: Guter Specialty nennt das Erntejahr, weil Frische zählt. "2024/25 Harvest" ist ein gutes Zeichen.

3. Aufbereitungsmethode: Washed, Natural, Honey — und idealerweise warum diese Methode für diesen Kaffee gewählt wurde.

4. Röstdatum: Nicht Mindesthaltbarkeitsdatum. Röstdatum. Kaffee sollte innerhalb von 2–6 Wochen nach Röstung getrunken werden.

5. Röster-Profil: Ein Röster, der keine Informationen über seine Bezugsquellen gibt, sourct wahrscheinlich über Commodity-Importeure.

Der Supermarkt-Test

Schau dir das nächste "Specialty"-Produkt im Supermarkt an. Steht dort ein Farmname? Ein Röstdatum? Eine Aufbereitungsmethode? Wenn drei dieser fünf Zeichen fehlen, handelt es sich um Marketing-Specialty — anständiger Kaffee vielleicht, aber keine echte Specialty-Qualität.

Felix Brandt

Kaffeekenner und freier Autor für expertcafe.be. Aufgewachsen zwischen deutschen Röstereien und belgischen Espressobars, beschäftigt sich Felix seit über zehn Jahren mit Specialty Coffee — von der Ernte bis in die Tasse.

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