Belgien und lokale Kaffeeszene

Warum hat Belgien eine lange Kaffeegeschichte?

Belgien wurde im 17. Jahrhundert über die Spanischen Niederlande zum Kaffee-Importeur, intensivierte den Handel im 19. Jahrhundert über Antwerpen und beherrschte unter der Kolonialherrschaft im Kongo (1908–1960) eine massive Robusta-Produktion. Antwerpen war einer der wichtigsten europäischen Kaffeehäfen — die Antwerpener Mokka-Börse beherrschte zeitweise den europäischen Mocha-Handel.

Belgiens Kaffeegeschichte beginnt im 17. Jahrhundert mit den Spanischen Niederlanden. Die ersten Kaffeehäuser entstanden in Antwerpen und Brüssel um 1690, im Anschluss an die niederländische Kaffeewelle aus Java. Die belgische Lage zwischen den großen Häfen (Antwerpen) und den großen Verbrauchermärkten (Frankreich, Deutschland) machte das Land früh zum Drehkreuz.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Antwerpen zu einem der wichtigsten Kaffeehäfen Europas. Die Antwerpener Mokka-Börse (gegründet 1872) handelte mit Kaffee aus Brasilien, Sumatra, Java und Yemen. Belgische Großröstereien (Rombouts seit 1896, Café Liegeois seit 1858, Cuperus seit 1881) entstanden in dieser Zeit und prägten den nationalen Geschmack.

Der Wendepunkt: die belgische Kolonialherrschaft im Kongo (1908–1960) brachte massive Mengen Robusta-Kaffee ins Land. Belgien wurde einer der wichtigsten Robusta-Importeure Europas. Diese Periode prägt den belgischen Geschmack bis heute: dunkle Röstungen, mehr Robusta-Anteil, kräftige Bitterkeit. Erst ab 2010, mit der Specialty-Welle (MOK, OR Coffee, Caffènation), beginnt Belgien sich aus diesem kolonialen Geschmacksprofil zu lösen.

Meilensteine der belgischen Kaffeegeschichte

JahrEreignis
~1690Erste Kaffeehäuser in Antwerpen, Brüssel
1858Café Liegeois gegründet (Lüttich)
1872Antwerpener Mokka-Börse gegründet
1881Cuperus gegründet (Antwerpen)
1896Rombouts gegründet (Antwerpen)
1908-1960Belgisch-Kongo, massive Robusta-Importe
~2010Specialty-Welle: MOK, OR Coffee, Caffènation
2015+Brussels Coffee Week, dynamische Specialty-Szene