☕ 3 Kernpunkte

  1. Der Chemex-Papierfilter ist 20–30 % dicker als handelsübliche Kaffeefilter und hält mehr Öle und Feinstpartikel zurück — das Ergebnis ist der klarste, sauberste Cup aller Pour-over-Methoden.
  2. Die Chemex wurde 1941 von Chemiker Peter Schlumbohm entworfen — sie steht permanent im MoMA New York und im Chicago Art Institute. Form und Funktion sind untrennbar.
  3. Für helle äthiopische Washed-Lots und kenianische AA-Kaffees ist die Chemex die beste Brühmethode: die Filterklarheit hebt florale und fruchtige Noten, die in anderen Methoden untergehen würden.

Chemex: Design, Filter und Brühtechnik

Von Felix Brandt · April 2026 · Brühmethoden

Geschichte und Design

Peter Schlumbohm promovierte 1926 in Chemie und emigrierte 1939 in die USA. 1941 patentierte er die Chemex — eine Kaffeekanne, die er ausdrücklich aus zwei verbundenen Laborerlenmeyerkolben ableitete. Die Idee: Schönheit und Funktionalität dürfen kein Widerspruch sein. Der Holzgriff, das Borsilikatglas (geschmacksneutral, hitzebeständig), der propriätäre Faltenfilter — alles ist durchdacht. Schlumbohm lehnte Kompromisse ab: "My filters are simply different from those used in conventional machines. They remove the undesirable elements." Die Chemex kam in mehreren Größen (3-Cup, 6-Cup, 8-Cup, 10-Cup) und steht heute im Permanent Design-Archiv des MoMA.

Der Chemex-Filter — der Unterschied im Cup

Der Chemex-Papierfilter ist der Schlüssel. Er ist 20–30 % dicker als handelsübliche Kaffeefilter (nach Hersteller: drei Lagen, gefaltete Ecke für die Ausgussseite). Durch diese Dicke werden nicht nur grobe Partikel, sondern auch Kaffeeöle (Kafestol, Kahweol) und Feinstpartikel effektiv zurückgehalten. Das Ergebnis: der klarste, trockenste, sauberste Filterkaffee — kein Öl, kein Trübstoff, kein Bodensatz. Was gewisse Aromastoffe mitfiltriert: schwere Körpertöne. Was übrig bleibt: Klarheit, Säure, florale und zitrusartige Noten. Für kräftige, körperreiche brasilianische Naturals ist die Chemex eher weniger geeignet — da gewinnen French Press oder AeroPress.

Brühtechnik

Mahlung: mittel bis mittelgrob — etwas gröber als für V60, weil der dicke Chemex-Filter eine langsamere Durchlaufzeit erzeugt. Verhältnis: 1:15 bis 1:17. Temperatur: 93–95 °C. Vorgehen: Faltenfilter falten (drei Lagen auf der Ausgussseite), einsetzen und gründlich vorspülen mit 100–150 ml heißem Wasser (entfernt Papiergeschmack, wärmt Glas vor), Wasser durch Ausguss wegschütten. Kaffeemehl einfüllen. Bloom: 30–45 ml, 35–40 Sekunden. Dann in 3–4 gleichmäßigen Schwüngen bis zum Zielvolumen eingießen. Gesamtbrühzeit: 4–5 Minuten für die 6-Cup-Chemex. Zu langsam → gröber mahlen. Zu schnell → feiner mahlen.

Für welche Kaffees ist die Chemex ideal

Helle Röstungen aus Äthiopien (Yirgacheffe, Guji) und Kenia (AA, AB aus Nyeri, Kiambu): Die Chemex-Klarheit hebt florale und fruchtige Noten, die in anderen Methoden vom Öl überlagert werden. Kenia-Kaffees aus Washed-Lots (SL28, SL34) mit ihrer Schwarzen-Johannisbeere-Säure kommen besonders gut. Mittlere Röstungen aus Kolumbien und Costa Rica: ausgewogener Body und angenehme Säure. Weniger geeignet: Naturals aus Brasilien oder dunkle Röstungen — der Filter zieht dem Cup zu viel Körper heraus, die Bitterkeit einer dunklen Röstung wird nicht durch Öl gemildert.

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