☕ 3 Kernpunkte

  1. Der Coffee-C-Kontrakt für Arabica schloss am 31. August 2026 bei 3,14 $/lb, also 6,92 $/kg Rohkaffee. Diese Notierung, nicht der Ladenpreis, ist die Grundlage nahezu jedes Vertrags in der Branche.
  2. Bei einer Specialty-Packung zu 35 €/kg entfällt allein auf den FOB-Wert des Rohkaffees ein Viertel bis die Hälfte des Preises. Die verbreitete Faustregel, der Erzeuger erhalte fünf Prozent, stammt aus einem Markt bei 1,20 $/lb und beschreibt den heutigen nicht mehr.
  3. Der Rest geht in Fracht, Röstung, Verpackung, Handel und Steuern. Eine Rösterei, die ihren FOB-Preis veröffentlicht, macht diese Aufteilung überprüfbar, und das bleibt die einzig ernsthafte Methode, einen Preis zu beurteilen.

Kaffeepreis und Wertschöpfungskette: Wer verdient woran

Von Felix Brandt · April 2026 · Handel und Wirtschaft

Wer sitzt zwischen dem Kaffeestrauch und der Tasse?

Zwischen der Farm und der Theke liegen in der Regel fünf Stufen, und jede setzt einen eigenen Preis. Der Erzeuger erntet, pulpt, fermentiert und trocknet die Kirschen und verkauft den Rohkaffee ab Hof oder über seine Kooperative. Der Exporteur übernimmt Qualitätskontrolle, Aufbereitung zur Verschiffung und die Ausfuhrpapiere und verkauft ab Hafen, also zum FOB-Preis. Der Importeur trägt Seefracht, Verzollung, Lagerung und die Finanzierung des Bestands, oft über mehrere Monate. Die Rösterei kauft den Rohkaffee, röstet ihn, verliert dabei Gewicht, verpackt und verkauft. Am Ende steht der Handel oder das Café.

Entscheidend ist, dass diese Stufen nicht nach demselben Prinzip rechnen. Im Commodity-Geschäft hängt fast alles an der Börsennotierung, und die Verhandlungsmacht liegt beim Zwischenhandel. Im Specialty-Geschäft wird der Preis Partie für Partie ausgehandelt, häufig als Festpreis über zwölf Monate, und die Börse dient nur noch als Bezugspunkt. Wer verstehen will, wohin sein Geld fließt, muss deshalb wissen, an welcher Stelle der Kette ein Preis überhaupt gebildet wird.

Zu welchem Preis wird Arabica derzeit gehandelt?

Der Coffee-C-Kontrakt an der ICE in New York ist die weltweite Referenz für Arabica-Rohkaffee. Er schloss am 31. August 2026 bei 3,14 US-Dollar je Pfund, das sind 6,92 US-Dollar je Kilogramm. In den zwölf Monaten davor bewegte er sich zwischen rund 2,40 und 4,40 Dollar je Pfund, also 5,30 bis 9,70 Dollar je Kilogramm. Das ist ein anderes Preisregime als in den Jahren 2000 bis 2020, als die Notierung lange zwischen 1,00 und 2,00 Dollar je Pfund lag und damit häufig unter der Deckungsschwelle, die je nach Region und Mechanisierungsgrad auf 1,00 bis 1,40 Dollar je Pfund geschätzt wird.

Zwei gegenläufige Kräfte erklären das Niveau von 2026. Auf der Angebotsseite hatte Brasilien Ende August 97 Prozent der Ernte 2026/27 eingebracht und steuerte auf eine Rekordmenge zu. Auf der anderen Seite fielen die von der ICE zertifizierten Bestände am 31. August 2026 auf 223.976 Sack, den niedrigsten Stand seit siebenundzwanzig Jahren. Ein Markt kann also am Feld reichlich und an der Lieferstelle knapp sein, und genau das macht die Notierung nervös.

Der zusammengesetzte Indikator der Internationalen Kaffeeorganisation lag im Juli 2026 bei 287,26 US-Cent je Pfund, mit 383,39 Cent (8,45 $/kg) für die Colombian Milds und 184,78 Cent (4,07 $/kg) für Robusta. Der Abstand zwischen den Kaffeegruppen ist damit bei vielen Partien größer als der Specialty-Aufschlag selbst. Für zertifizierte Ketten existiert zusätzlich eine Untergrenze: Fairtrade International hebt den Mindestpreis für gewaschenen Arabica zum 1. Dezember 2026 von 1,80 auf 2,00 US-Dollar je Pfund an, das Bio-Differential von 0,40 Dollar je Pfund und die Fairtrade-Prämie bleiben unverändert. Bei einer Notierung von 3,14 Dollar greift diese Untergrenze nicht, sie ist für Krisenjahre gebaut.

Die Produktionskosten liegen je nach Herkunft und Betriebsgröße weit auseinander, von unter einem Dollar je Pfund bei kleinbäuerlicher Handarbeit mit niedrigen Lohnkosten bis über zwei Dollar bei steilen Hängen, hohen Löhnen und aufwendiger Aufbereitung. Solange die Börse deutlich über diesen Kosten notiert, wie 2026, entsteht Spielraum für Qualitätsinvestitionen. Fällt sie darunter, wie in den Krisen 2001 bis 2003 und 2018 bis 2020, werden Parzellen aufgegeben, und die Folgen wirken über Jahre nach, weil ein Kaffeestrauch drei bis vier Jahre bis zum ersten vollen Ertrag braucht.

Was rechtfertigt den Aufpreis eines Specialty-Lots?

Ein Specialty-Lot wird deutlich über der Börsennotierung gehandelt, üblicherweise zwischen 9 und 20 US-Dollar je Kilogramm Rohkaffee ab Ursprung, gegenüber 6,92 Dollar für die reine Börsenreferenz. Der Aufschlag bezahlt vier konkrete Dinge.

Erstens die Ernte. Selektiv von Hand gepflückte reife Kirschen erfordern mehrere Durchgänge durch dieselbe Parzelle statt eines einzigen maschinellen Streifens, was den Arbeitsaufwand vervielfacht. Zweitens die Aufbereitung: kontrollierte Fermentation, Trocknung auf Hochbetten, laufende Messung von Feuchte und Wasseraktivität. Drittens die getrennte Behandlung der Partie auf jeder Stufe, vom Trockenhaus über den Hafen bis zum Silo der Rösterei, wodurch genau die Größenvorteile entfallen, die Massenkaffee billig machen. Viertens die Qualitätsbewertung: Nach dem Klassifikationssystem der Specialty Coffee Association darf ein Lot im Specialty-Grade null Defekte der Kategorie 1 und höchstens fünf Defekte der Kategorie 2 je 350-Gramm-Probe aufweisen. Diese Sauberkeit entsteht durch dichte-, farb- und häufig handsortiertes Verlesen, und sie kostet Stunden.

Wie viel Rohkaffee steckt in einer Packung zu 18 Euro?

Beim Rösten verdampft Wasser und Kohlendioxid entweicht, der Kaffee verliert 15 bis 18 Prozent seines Gewichts. Für ein Kilogramm gerösteten Kaffee braucht es daher rund 1,18 Kilogramm Rohkaffee. Rechnet man mit einem Specialty-Einkauf zwischen 9 und 20 Dollar je Kilogramm und einem Wechselkurs von 1,16 Dollar je Euro vom 6. September 2026, ergibt das 9 bis 20 Euro Rohkaffee je Kilogramm Röstkaffee, also 2,30 bis 5 Euro in einer 250-Gramm-Packung.

Der Rest verteilt sich auf Röstung mit Energie, Abschreibung und Cupping, auf die Verpackung mit Aromaventil und Etikett, auf Versand oder Handelsmarge und auf die Mehrwertsteuer. In Belgien gilt für Kaffee der ermäßigte Satz von 6 Prozent. Belgien und Deutschland sind zugleich die einzigen EU-Länder, die auf Kaffee zusätzlich eine Verbrauchsteuer erheben, in Deutschland allerdings je Kilogramm Röstkaffee auf deutlich höherem Niveau als in Belgien. Wer Packungspreise über Ländergrenzen hinweg vergleicht, vergleicht deshalb auch Steuersysteme und nicht nur Kaffee.

Bemerkenswert ist die Verschiebung gegenüber den Aufteilungen, die vor 2024 verbreitet waren. Damals galt der Rohkaffee als kleiner Kostenblock, und der Satz, eine bessere Bezahlung des Erzeugers verteuere die Packung nur um wenige Cent, stimmte rechnerisch. Bei einer Notierung über 3 Dollar je Pfund gilt er nicht mehr: Der Rohkaffee ist zum größten Einzelposten der Packung geworden, und jede Preisdiskussion beginnt heute dort.

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Was kostet eine Tasse guter Kaffee wirklich?

Eine 250-Gramm-Packung reicht bei 15 Gramm je Tasse Filterkaffee für etwa sechzehn bis siebzehn Tassen. Bei einer Packung zu 18 Euro sind das 1,05 bis 1,15 Euro je Tasse, bei einer Packung zu 30 Euro 1,75 bis 1,90 Euro. Verglichen mit einem Cappuccino für 4 bis 5 Euro im Café ist das wenig, verglichen mit einer Kapsel für 0,60 bis 0,90 Euro ist es mehr, und verglichen mit einem Glas Wein zu 5 bis 15 Euro fällt der Vergleich klar zugunsten des Kaffees aus.

Der zweite Rechenweg führt über die Theke. Achtzehn Gramm Röstkaffee zu 45 Euro je Kilogramm kosten 0,81 Euro Wareneinsatz, bei einem doppelten Espresso zu 4 Euro also etwa ein Fünftel des Preises. Sieben Gramm für einen einfachen Espresso zu 40 Euro je Kilogramm kosten 0,28 Euro. Alles Weitere zahlt Miete, Personal, Abschreibung der Maschine, Energie, Steuern und eine Nettomarge, die in der Gastronomie selten über 5 bis 12 Prozent liegt. Deshalb schlägt eine Bewegung der Weltmarktnotierung hart auf die Packung durch und kaum auf die Tasse: zwei Märkte mit unterschiedlicher Empfindlichkeit.

Welche Zahlen sollte eine Rösterei offenlegen können?

Transparenzberichte sind in der Specialty-Branche kein Marketinginstrument, sondern eine Rechenschaftsform. Counter Culture Coffee veröffentlicht seit 2015 den Einkaufspreis jedes gekauften Pfunds und wies für 2025 einen gewichteten durchschnittlichen FOB-Preis von 4,13 Dollar je Pfund für die ganzjährigen Komponenten aus, 5,04 Dollar für die Single Origins und 4,18 Dollar über alle Kaffees hinweg, also 9,11 bis 11,11 Dollar je Kilogramm. Gemessen an einer Börsennotierung von 3,14 Dollar je Pfund zeigt das, wie ein echter Specialty-Aufschlag aussieht.

In Europa läuft dieselbe Bewegung über Handelsplattformen. Algrano verbindet Erzeuger und Röstereien direkt und übernimmt Vertrag, Fracht und Finanzierung, ohne den Kaffee selbst zu handeln, und der Osloer Importeur Collaborative Coffee Source arbeitet seit 2012 nach demselben Prinzip langfristiger, offengelegter Beziehungen. Für den Kunden ergibt sich daraus eine einfache Prüffrage an die Rösterei: Was hast du für diesen Kaffee ab Ursprung bezahlt, und wie verhält sich das zur Börsennotierung? Wer darauf eine Zahl nennen kann, hat seine Lieferkette im Griff. Wer ausweicht, sagt damit ebenfalls etwas.

Was kosten Fracht, Wechselkurs und Lagerung zwischen Ursprung und Antwerpen?

Zwischen dem FOB-Preis und dem Sack Rohkaffee im Lager einer europäischen Rösterei liegen drei Posten, die kein Kunde je zu sehen bekommt.

Der Wechselkurs zuerst. Rohkaffee wird in Dollar kontrahiert und in Euro verkauft. Am 6. September 2026 war der Euro 1,16 Dollar wert, eine Partie zu 10 Dollar je Kilogramm FOB kostet also 8,62 Euro je Kilogramm, bevor irgendein weiterer Aufwand entsteht. Wenige Cent Bewegung im Währungspaar genügen, um die Jahresmarge einer kleinen Rösterei zu löschen oder zu verdoppeln, weshalb viele lieber zwölf Monate zum Festpreis einkaufen als zum Tageskurs.

Dann die Logistik. Seefracht, Hafenumschlag, Verzollung und Landtransport addieren beim vollen Container einige Zehntel Euro je Kilogramm und bei kleinen Mengen in der Sammelladung deutlich mehr. Genau hier trennt sich die Kalkulation einer Partie von zehn Sack von der einer Partie von dreihundert Sack. Bei der Einfuhr in die Europäische Union ist nicht entkoffeinierter Rohkaffee unter der Tarifposition 0901 11 zollfrei, gerösteter Kaffee dagegen nicht. Europa importiert deshalb grün und röstet vor Ort.

Und schließlich die Lagerung. Wer eine Ernte sichert, bindet über Monate Kapital in einem Bestand, dessen Wiederbeschaffungswert sich täglich verändert. Auf dem Preisniveau von 2026 ist dieser Kapitalbedarf der eigentliche Unterschied zwischen einer Werkstattrösterei und einem Marktteilnehmer, der kaufen kann, wenn der Zeitpunkt günstig ist. Der Endpreis trägt diese Finanzierungslast ebenso wie den Kaffee selbst.

Quellen